Ausflüge, Diese Woche

42 Tunnels, 62 Kilometer

Manche Fahrten sind öde, ich erinnere hier an die Po-Ebene. Endlos wie eine Wüste und ausstaffiert mit einem Nichts von Aussicht. Einzig die Aussicht aufs Ziel lässt einen ausharren.

Andere Fahrten wiederum sind so spektakulär, dass man gar nie am Ziel ankommen möchte: So die 62 Kilometer lange Albulalinie der Rhätischen Bahn zwischen Thusis und St. Moritz.

1000 Höhenmeter überwindet der Zug dabei – ohne Zahnrad.

Solisviadukt, Landwasserviadukt und insgesamt 42 Kehrtunnels machen es möglich. Noch heute gilt die Albulastrecke als Paradebeispiel für Bahntechnik und Linienführung.

Erstaunlich: Die Bauzeit dauerte verblüffend kurze fünf Jahre, 1903 wurde die Bahn in Betrieb genommen. Lorbeeren gab es auch von der UNESCO: Die Albulalinie gehört seit 2008 zum Weltkulturerbe.

Wer gerne fotografiert, wird vor allem das jüngste Modell der Bahn lieben. Denn dieses punktet – gut gemacht, liebe RhB – mit einem Fotowagen. Darin sind die Sitzreihen in der Mitte des Wagens parallel zu den Fenstern angeordnet, sodass man vom Sitz aus direkt in die stets wechselnde Landschaft schaut – auf Wälder, Berge, Tobel, Schluchten und Wasserfälle.

Das ist natürlich Quatsch, weil sowieso niemand sitzt. Alle stehen direkt am Fenster und öffnen es per Knopfdruck. Dabei sind reaktionsschnelle Menschen deutlich im Vorteil: Raus aus dem Tunnel – Knopf drücken – Fotoapparat einstellen – Position suchen – und klick!

Also so wäre es zumindest gedacht. In der Realität taucht der nächste Tunnel  bereits auf, bevor man in Startposition ist – sofort wieder Kopf einziehen, Fenster zu und – hoffen. Nächster Tunnel, nächstes Glück. 42 Chancen sind zu vergeben.

Übrigens, dass die RhB ein Herz für Fotomenschen hat, zeigt sich auch bei älteren Zügen. Dort lassen sich die Fenster noch immer öffnen – danke, liebe Bündner. Dass das gerne genutzt wird, beweist dieses Bild.

So vergeht die Fahrt, die nie enden sollte, dummerweise wie im Flug.

Und nach der Ankunft? Da gönnt man sich vorzugsweise gleich die nächste spektakuläre Reise, zum Beispiel mit dem Postauto zu den blauen Bergen im Bergell. Auch darüber wird hier noch zu berichten sein.

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– Die RhB verkehrt im Stundentakt ab Chur bis St. Moritz, die Fahrt dauert genau zwei Stunden. http://www.rhb.ch
– Bahnfans steigen in Bergün aus und besuchen das Bahnmuseum Albula. http://www.bahnmuseum-albula.ch
– Im Winter kann man sich seinen Platz im Panoramawagen reservieren lassen – kostet nur einen Fünfliber.
– Das Postauto Richtung Chiavenna (Linie 4) fährt eine Viertelstunde nach Ankunft ab Bahnhofplatz St. Moritz – das reicht locker für einen Kaffee. http://www.postauto.ch

 

6 Comments

  1. Karin says

    liebe Franziska, was es nicht alles gibt, praktisch vor der eigenen Haustüre! super gluschtig, witzig und charmant präsentiert (as always). Bun viadi und grazcha fich 🙂

    • Franziska says

      Danke! Und wirklich: Andere fliegen erst um die halbe Welt, um eine solche Fahrt zu erleben. Wir hötterlen mal eben schnell nach Chur. Was sind wir priviligiert!

    • Franziska says

      Danke, liebe Fatima. Es wäre deine Reise – in Gefilde mit guter Luft und angenehmen Temperaturen!

  2. Marlies Liem says

    Wunderschöne Fotos und tolle Anregungen!

    • Franziska says

      Danke vielmals für das feine Feedback, Marlies.

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