Burma, Diese Woche, Reisen

Burma 3/3’000/30‘000

Burma in zehn Tagen: Schwierig. Burma in zehn Fotos: Unmöglich! Meine persönliche  grosszügige Zauberformel lautete deshalb: 3 Wochen reisen, 3’000 Bilder machen und 30’000 Eindrücke mit nach Hause nehmen.

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Kein Zweifel: Dieses Land ist unglaublich malerisch und attraktiv. Nur schon all die Pagoden, Stupas, Zedis, Pahtos, von denen Tausende in der eher kargen Landschaft herumstehen, sind eine Augenweide. Jedes Dörfchen hat seine eigene Stätte, um Buddha anzubeten, vergoldet oder mit Stuck verziert. Alternativ kann man sich an einen Nat, einen der Naturgeister, wenden; diese haben natürlich wieder eigene Schreine. Egal ob Schrein oder Pagode: Hier wird nicht nur gebetet, sondern auch geschlafen, gespielt und gegessen.

Auch die Burmesen selber sind wunderbare Fotomotive. Freundlich und offen, drehen sie den Kopf nicht weg, wenn man die Kamera in Anschlag bringt, und wenn ein Handy in der Nähe ist, wird man auch gleich gegen-fotografiert. Im Norden allerdings – wir kamen bis kurz vor die chinesische Grenze – ist nichts mit Handy. Da gibt’s in den Dörfern weder Strom noch Wlan, und unsere Reiseführerin erzählte, dass die dörfliche Abendunterhaltung darin besteht, am Feuer zu sitzen und gemeinsam zu singen. Vielleicht wirken die Einwohner deshalb so zufrieden und in sich ruhend. burma-maedchen-schlauch

Denn eine Tatsache wurde mir auf der Reise sehr bewusst: Burma, oder Myanmar wie es heute heisst, ist ein Land, das gerade jetzt in unglaublichem Tempo eine enorme Modernisierung durchmacht. In Yangon, der Fünf-Millionen-Ex-Hauptstadt, herrschen bereits Hektik und Verkehrschaos mit Dauergehupe. Viele Burmesen tragen Jeans statt der traditionellen Wickel-Longhi und starren schon genauso absorbiert auf ihr Handy wie der Rest der Welt. Es gibt an allen Ecken chinesisches Plastikzeugs zu kaufen, das zwar von schlechter Qualität ist, aber dennoch erst in fünfhundert Jahren verrottet. Zudem knabbert Burma noch immer an den Folgen von 60 Jahren Abschottung, eine Zeit, in der das Land seinen kuriosen sozialistischen Weg ging und von Militärs regiert wurde. Erst seit einigen Monaten gibt es ein ziviles Staatsoberhaupt, und Nationalheldin Aung San Suu Kyi („die Lady“) hält als Aussenministerin hinter den Kulissen die Fäden in der Hand; „die Generäle“ sind aber immer noch in der Regierung vertreten, geniessen den ängstlichen Respekt der Zivilbevölkerung und viele Privilegien.burma-rangun-statue-general

Burma bewegt sich zwischen Hektik und Gelassenheit, grellen Plastikmöbeln und handgewebten Stoffen, irre rasenden Taxis und Ochsenkarren, millionenteuren Geschäftsbauten und tausendjährigen Pagoden, Verkehrskollaps und weiten Landschaften, Tippen auf dem Handy und Singen am Feuer. Ich hoffe nur, dass der unvermeidliche Weg in die Moderne nicht allzu viele Kollateralschäden anrichtet. Und dass die Burmesen und Burmesinnen so liebenswert bleiben wie meine neuen Freundinnen…

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Zentrum des Landes ist Rangun (oder Yangon) mit 5 Millionen Einwohnern. Offiziell ist heute zwar die Retortenstadt Naypyidaw Hauptstadt, hat aber den kleinen Nachteil, dass keiner da wohnen will. Was man von Rangun wirklich nicht behaupten kann.

burma-rangun-strasse    burma-rangun-strassenbeiz

Der Verkehr ist schlicht mörderisch. Fussgängerstreifen? Höchstens in Form von Fussgänger streifen. Es ist wichtig, sich beim Überqueren der Strasse furchtlos gleichmässig fortzubewegen, damit der heranbrausende Fahrer berechnen kann, wo man sich in 1,5 Sekunden befindet, so dass er einen nur streift und nicht umbringt. Die Busse sind klapprig, stinkend und überladen. Wer in einem Lieferwagen Platz findet, hat Glück.rangun-lastwagen-mit-jungs rangun-bus

Das Prunkstück der Stadt ist die Shwedagon-Pagode. Jeder Burmese möchte sie einmal im Leben besuchen (und jeder Burma-Tourist auch). Sie wiegt 50 Tonnen, in Gold, und trägt somit ihren Namen zu recht, denn Shwe bedeutet genau das: Gold. Vieles im Land ist Shwe: Ich habe auch Shwe-Tankstellen und Shwe-Hotels gesehen…burma-shwedagon-strasse

Hier wird gerade eine Blumengabe transportiert. Die grünen Gummimatten sind übrigens super praktisch, denn sie verhindern, dass man sich wegen Aquaplaning auf dem spiegelglatten Marmor auf die Nase legt. Es regnet nämlich auch in der Trockenzeit täglich.

burma-shwedagon-gabe    burma-shwedagon-palmeburma-shwedagon-sonnenuntergang-3

Eben, der Regen: Wie gut, dass Burmesen oft einen Schirm bei sich tragen… er wird gegen Sonne und Nässe eingesetzt. Hier bei Regen in Rangun am Kandawgyi-See.rangun-regen

Und bei Sonne in Bhamo.burma-bhamo-markt

In Rangun gibt es neben der Shwedagon noch weitere spannende und beliebte Pagoden. So zum Beispiel die Maha-Wizaya-Pagode. Sie ist erst 30 Jahre alt, steht gleich nebenan und hat eine aufwändig bemalte Decke mit Episoden aus dem Leben Buddhas.

burma-maha-wizaya    burma-maha-wizaya-decke

Auch hier: In der Pagode und darum herum ist Action. Die Leute sitzen, essen, schwatzen, pennen. Oder Papi schält ein Mandarinli für die Kids.burma-maha-wizaya-kinder

Das Joghurt in den Gesichtern ist Thanaka, eine Paste, die aus Baumrinde zubereitet wird und die Haut vor Sonne schützen und pflegen soll; vor allem Frauen schwören darauf. Ich hab’s ausprobiert und fand, es jucke ganz fürchterlich.

Auch ganz kleine Jungs tragen schon Thanaka… burma-thanaka-junge

sowie kleine, für ein Hochzeitsfest herausgeputzte Mädchen… burma-thanaka-hochzeitsmaedchen

grosse Mädchen auf dem Markt… burma-thanaka-girls-2

ältere Mädchen… burma-thanaka-omas

und Schönheiten im Stoffladen – sie tragen zusätzlich noch einen Taschenventilator.burma-thanaka-ventigirl

Das eigentliche Schönheitsideal ist indes vor allem eines: Blass.

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Doch zurück zu den Kultstätten. Ebenfalls in Rangun liegt in einer Halle ein 70 Meter langer, 100-jähriger Buddha, und für alle, dies noch genauer wissen wollen, sind hier ein paar Zahlen:

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Der Umfang von Buddhas Nasenlöchern beträgt also 94 Zentimeter. Hier liegt er in seiner vollen Pracht mitsamt den nackten Fusssohlen, die mit Glückssymbolen versehen sind.rangun-liegender-buddha

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Buddhas Augen wurden in der Glasfabrik Na-Gar etwas ausserhalb von Rangun hergestellt, die vor einigen Jahren ein Zyklon komplett zerstörte. Heute kann man dort noch immer in den Scherben graben und kaufen, was ganz ist und einem gefällt, sofern man vorher nicht von Mücken gefressen wird. Ein Ort, der aus der Zeit gefallen scheint.burma-rangun-na-gar

“Bei den Kugelvasen geradeaus und dann rechts…”

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Die Nachfahren des Eigentümers halten die Glasfabrik weiterhin “offen” und reichen den Besuchern vor dem Spaziergang im feuchtheissen Wald die Anti-Moskito-Creme. Wir haben dann drei gläserne Schachfiguren gekauft. Ein uraltes Auto rostet hinter einer Bretterwand vor sich hin.burma-rangun-na-gar-4

Aber ich denke, es wird wieder einmal Zeit für einen kleinen Regenguss… und für eine Cheroot-Zigarre.burma-rangun-regen-2

Im historischen Viertel mit vielen Gebäuden aus der britischen Kolonialzeit wächst schon das Moos an den Wänden…burma-rangun-regen-3

Und am Yangon River schaut man, dass man ins Trockene kommt.

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Oder man wartet einfach auf bessere Zeiten.burma-rangun-regen-4

Auch Mönche tragen Schirm; der Schirm ist sogar ein fester Bestandteil der “Mönch-Sets”, die man kaufen und einem Mönch schenken kann. Mit dazu gehören zum Beispiel auch Zahnbürste, Zahnpasta und Flipflops.burma-rangun-regen

Mehr zu Mönchen, Nonnen, Pagoden und Klöstern gibt es in der Fortsetzung am Mittwoch, 7. Dezember 2016: http://www.mittwochs.ch/burma-rot-grau/

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Buddhas Fuss und die Katze im Dach.

10 Comments

  1. Pingback: Burma rot-grau | mittwochs.ch

  2. Fatima says

    Wunderschön! Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.

    • Karin says

      Danke, liebe Fatima! Ich auch. Sweet memories und so… seufz.

  3. Ganz grosses Kino! Diese Bilder gehören an die wirklich grosse Glocke gehängt.
    Supertoll und sehr eindrücklich.

    • Karin Aeschlimann says

      Danke, danke! Es freut mich, dass sie dir gefallen. Und jetzt kann man sogar alle anklicken und vergrössern!

  4. Marlies Liem says

    Wir sind am 1. Dezember von einer wunderschönen Reise durch Myanmar (Rangoon, Flussfahrt Irrawaddy ab Rangoon bis Mandalay, Inle See und schliesslich Ngapali zum Erholen) zurückgekommen und können nun die Reise mit Ihren wunderschönen Bildern noch einmal erleben. Das Land und die Leute sind uns sehr ans Herz gewachsen, und am liebsten möchte ich sofort wieder zurück nach Myanmar, wenn da nicht die z.T. beschwerliche Anreise wäre. An den Flughäfen, die wir von Mandalay für die Anreise nach Inle See bzw. nach Thandwe benutzten,
    herrschte jeweils Chaos. Die Flüge waren immer verspätet und wurden per Megaphone ausgerufen. Die Flugzeuge waren supermodern, und selbst auf einem einstündigen Flug wurde uns ein Snack serviert. Wo gibt es so etwas in Europa oder auch anderswo?
    Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht und den tollen Fotos

    • Karin Aeschlimann says

      Vielen Dank fürs Lob. Burma ist wirklich einzigartig. Flugzeug-wise haben wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht, von Klapperkiste bis supermodern war alles dabei. Teil 3 kommt am 21. Dezember, übrigens 😉

  5. Ganz wunderBurma! Tolle Fotos und ein Reisebericht, der nach mehr gluschtet 😉 Merci für die herrlichen Eindrücke.

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