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Der Greifensee ist kein Cervelat!

Lange hielt ich den zwischen Uster und dem Pfannenstiel gelegenen Greifensee für solide, aber langweilig. Sowas wie ein Ausflugs-Cervelat eben, der sichere Wert ohne speziellen Reiz. Irrtum!

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Wenn früher meinen Eltern nicht so recht einfallen wollte, wo sie spazierengehen könnten, fuhr man meistens an den Greifensee. Entsprechend hatte die Gegend bei mir später das Image eines Lückenbüssers, von faute-de-mieux, absehbar und unspektakulär. Als ich dann bei gelegentlichen Vorbeifahrten mit dem Auto feststellte, dass es rund um den Greifensee häufig von Velofahrern und Inlineskatern nur so wimmelt, war das Kapitel für mich sowieso geschlossen.

Aber jetzt: Eine Lanze für den Greifensee! Er hat es verdient.

  • Anreise: aus allen Himmelsrichtungen mit dem Auto oder öV (z.B. Zürich-Uster dauert 15 Minuten). PP gibt es z.B. das ganze Jahr hindurch bei der Badi Egg, bei der Naturstation Silberweide und an verschiedenen Stellen rund um den See.
  • Geeignet für: Spazieren, rund herum sind es 17 km, was ungefähr 4 Stunden in Anspruch nimmt. Aber auch velofahren und inlineskaten ist beliebt.
  • Erforderlicher Fitnesslevel: Von zero bis wenig, keine Steigungen.
  • Verpflegung: Greifensee und Maur bieten Restaurants nähe See.
  • Für Familien: Die Naturstation Silberweide (www.greifensee-stiftung.ch)

Es ist ganz simpel: Der Trick beim Greifensee ist es, ihn frühmorgens oder gegen Abend zu besuchen, bei Nebel im Herbst oder bei klirrender Kälte im Winter. Dann ist er wunderschön, mystisch, beruhigend, und dann trifft man kaum Fussgänger, dafür seltene Vögel oder vielleicht sogar einen Biber. Das klappt hingegen garantiert nicht am Sonntag um zwei, an einem schönen Frühlingsmorgen und an einem Feiertag. Denn dann hat es dort Horden, und man sieht trotz Naturschutzgebiet nicht mal einen Laubfrosch.

A propos:

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Und, gefunden? Im Gebüsch vor dem Vogelbeobachtungs-Hochsitz bei der Naturstation Silberweide (ein paar Schritte Richtung Aaspitz, zwischen Egg und Uster) kleben oft ein, zwei winzige grüne Laubfrösche.

Aber arbeiten wir uns doch einfach mal durchs Jahr. Das hier ist „Januarstimmung am Aaspitz“. (PP bei der Naturstation Silberweide oder zu Fuss 45 Min. vom Bahnhof Uster).

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Hier ist manchmal sogar ein Eisvogel oder ein Eisvogel-Paar zu sehen, am ehesten früh am Morgen. Dann hats nämlich kaum Leute.

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Oder dann, auch sehr schön: nichts. Stille. Abgesehen vom fernen Rauschen der Autos.

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Ab und zu brummt eine Tante Ju über einen hinweg. Das Wasser in der Mönchaltorfer Aa ist wie Öl.

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Es ist total cool, im Naturschutzgebiet dem Nebel entgegenzugehen.

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In der Ortschaft Greifensee gibt es ganz in der Nähe des Hafens im „Städtli“, dem historischen Dorfkern, ein kleines Café, wo man im Sommer draussen hervorragende Crêpes essen kann, im Winter gibt es indoors heisse Schoggi. Das ist so ungefähr die Aussicht:

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Im Sommer ist es dann so – mit einem richtig schönen Bauern-Blumengarten gleich neben der Kapelle, wo man am Sonntag früh gern einen Schwatz mit dem Herrn Pfarrer hält.

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Gut, aber noch ist Winter. Auch in „Bad Egg“ (Heiterkeitserfolg bei englischsprachigen Freunden garantiert). Man darf die Badi im Winter betreten und ein wenig der Melancholey frönen.

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Es kann ja nix passieren.

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Rund um den See verteilt sind einige Vogelschau-Stege ins Wasser hinaus gebaut. Meist klappt die Vogelbeobachtung von dort gar nicht so besonders gut, weil sie zu belebt sind, aber hübsch sind sie trotzdem.

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Ja, die Vögel – die ganze Uferregion des Sees steht unter Naturschutz, und dadurch gibt es a lot of Fauna und Flora. Diese Fotos sind alle am Greifensee aufgenommen: Kormorane, Turmfalke, Haubentaucher, Drosselrohrsänger, Rotkehlchen, Goldammer, Schwanzmeise und Wasserralle. (Bilder von Piotr Pasierbek)

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Irgendwann wird’s Frühling…

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Oft mit kleineren oder grösseren Hochwassern verbunden, was aber ganz spannend ist. Wann kann man schon in der Wiese angeln oder Grashalme aus einem Tümpel wachsen sehen. Das öffentliche Klo am Mönchaltorfer Aaspitz ist dann allerdings leider auch nur per Boot erreichbar.

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Und dann blüht was.

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Im Sommer gibt es in Maur einen Stand Up Paddle Verleih (und abends ab und zu ein Gewitter).

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Nochmals bei Aaspitz – hier kann man, wenn’s denn sein muss, auch grillieren (öffentliche Feuerstelle).

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Kurz vor Ortseingang Uster wohnt eine ganze Storchenkolonie, die unübersehbar zwei Pappeln mit Nestern gekrönt hat. Der Fischer von nebenan füttert sie jeweils mit Fischabfällen. Der hier tut was er will.

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Im Herbst, an der Rellikonstrasse vor Maur, verkauft ein Bauer jeweils gute Äpfel.

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Spätherbst an der Schleuse, wo die Alte Glatt in Schwerzenbach in den See fliesst.

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Fehlt nur noch der Biber. Für den muss man aber richtig früh aufstehen, der ist so scheu, dass er nicht mehr duldet als das Scharren von maximal vier Füssen auf dem Kies. Dann aber!

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Biber in der Aa, zwischen Silberweide und Greifensee, 12. Februar 2016. Foto: Piotr Pasierbek.

Ich würde sagen, der Greifensee ist rehabilitiert.

11 Comments

  1. Katja R. says

    Ich lebe am Greifensee und kann bestätigen, dass es ein wunderschöner Ort ist. Die Vogelwelt ist super. Vor allem im Herbst. Zu Fuss ist es schön. Als Veloumrundung auch.

  2. Mittlerweile gehe ich auch lieber zu Fuss – ewig absteigen vom Velo, weil ich wieder etwas Fotogenes entdeckt habe, ist gar nicht mehr velofahren…. 🙂

    • Oder noch besser, in einen Baum donnern, weil man wiedermal links oder rechts was Interessantes gesehen hat 😉

  3. Mal ganz ehrlich, frühmorgens ist es an fast jedem See traumhaft. Der Mirtensee ist ein Natur- und Vogelparadies und auch nicht sehr bekannt. Ob zu Fuss oder mit Velo am und um den See ist herrlich. Es gibt fantastische Fischbeizli direkt am See und der Vully seis nun der Berg oder der Wein sind auch eine Velockung wert.
    Der Greifensee wie auch der Pfäffikersee haben sicher ihren Reiz.

  4. Und warum sagt jetzt keiner was über die tollen Bilder? Ok, ich tue das:
    Karin, Deine Bilder sind einfach umwerfend und echt der Hammer!
    LG HP

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