Diese Woche, Italien

Durch Venedig gondeln

Wenn man zwar nicht zum ersten Mal, aber sicherlich das erste Mal bewusst zum Fotografieren nach Venedig reist, dann steht man vor einem Problem. Auf welches Fotomotiv soll man sich festlegen?

Man könnte einen auf Streetphotography machen …



… vor allem, wenn die Sonne den Markusplatz in perfektes Bühnenlicht taucht und sich die ersten Venezianischen Masken zum Vor-Karneval zusammenfinden:

Man könnte sich natürlich auch auf die Auslagen in den Geschäften und in den Gassen konzentrieren …

… und die Leckereien am besten nicht nur fotografieren sondern auch essen!

Die Himmelsstimmungen sind natürlich etwas, das sich einer armen nebelgeplagten Aargauerin sofort als Motiv aufdrängt:

vor allem dann, wenn es auch noch Sonnenuntergänge gibt, die nicht von dieser Welt sind!

einen Purple Rain habe ich jedenfalls noch nie in meinem Leben gesehen!

Es gab wirklich sehr viele sehr schöne Himmelsstimmungen, denen ich nicht widerstehen konnte …

… auch sehr spezielle, wie zum Beispiel diese hier:

… man findet in der Gegend, in der man wohnt auch schnell schnell Lieblingsecken, die zu jeder Tageszeit in völlig anderem Licht erscheinen. Erst wenn man die Bilder untereinander stellt, zeigt sich der faszinierende Einfluss des Lichts auf die Fassaden – sie werden immer neu und anders in Szene gesetzt.

Und wenn Venedig im Januar statt mystisch neblig eben knallbunt ist, dann wäre es ja schade, diese Farbenpracht nicht einzufangen.

und Burano ist ja auch  ein herziges Städtchen, voller fotogener Details …

Mit Marcel Grubenmann eine Fotoreise zu unternehmen, bedeutet aber, sich einem bestimmten Motiv zu verschreiben, es aus der Fülle der möglichen Motive herauszuarbeiten und vielleicht danach ein einziges Bild zu erhalten, das für eine Stadt oder Gegend steht, die man besucht hat.

Und eigentlich drängt es sich auf, sich in Venedig auf die Gondeln zu konzentrieren. Vor allem, wenn man dank Marcel und auch dank Aline Vögeli die Möglichkeit bekommt, Gondelbauern bei ihrem uralten Handwerk über die Schultern zu schauen.

Die Gondeln sind richtige Kunstwerke.  Und wenn man näher hinschaut, sieht man liebevolle Details.

Wir durften in zwei Werkstätten hineinschauen und den Gondelbaukünstlern über die Schultern schauen. Jetzt weiss ich zwar immer noch nichts oder fast nichts über technische und geschichtliche Details der Gondeln, aber dafür war alles sehr fotogen …

Das ist der unscheinbare Eingang zum Reich von Saverio Pastor,

der seit über 40 Jahren Riemenmeister und Forcolakönig ist. Er hat das Handwerk bei den letzten Riemenmachern gelernt und stellt Riemen und Forcolas her für die Wettkampfruderer Venedigs.

Sein Wissen gibt Saverio an junge Gesellen weiter und er wird auch häufig zu internationalen Veranstaltungen eingeladen, um über die Geschichte und Entwicklungen des Riemen- und Forcolebaus zu berichten.

Saverio hat auch eine Reihe von Büchern über die Geschichte zu diesem Themenkreis veröffentlicht.

Präzision und ein scharfes Auge und die Liebe zum Holz, all das hat Saverio und man liebt es, ihm bei der Arbeit zuzuschauen.

Die Riemenhalter, eben die Forcoles, sind im Grunde genommen Skulpturen. Dabei ist jede Kurve und jede Beuge genau da, wo sie sein muss, denn sie erlaubt unterschiedliche Manöver des Riemens und somit der Gondel: zum Vortrieb, zum Manövrieren des Bootes und zur Aufrechterhaltung der Balance.

Wenn man sieht, wie präzise diese Gondolieris um die Ecken rudern können, ist die Bewunderung für Saverios Kunst noch viel grösser!

Nach dem Besuch bei Saverio haben wir die Gondelwerft Antiquo Squero San Trovaso besucht. Eine ganz andere Welt als die von Saverio Pastor und genau so faszinierend.

Und es ist alles sehr eng da. Die Gondeln glänzen frisch lackiert …

…. oder sind sie erst frisch abgeschmirgelt?

Wie gestrandete Wale liegen sie da, die Gondeln, voller Schrammen und vom Leben in den engen Kanälen gezeichnet.

Diese hier ist fertig lackiert zum Trocknen aufgerichtet. Wir wollten eigentlich solange da warten, bis eine andere Gondel auf dem Wasser an ihr vorbeifährt, aber wir haben vergeblich gewartet …

Den Werftarbeitern standen wir eher im Weg, aber es gab viel zu sehen. Zum Beispiel hier diese Wand voller ausrangierter Gondolierihüten.

Humor haben sie anscheinend, diese Gondelbauer!

Die halbe Stunde Besuchszeit war schnell vorbei. Die Erinnerung an diesen Besuch aber nachhaltig eindrücklich.

Wer mit offenen Augen immer schön neugierig durch die offenen Türen guckt, sieht überall Spannendes!

Und dann ging es zurück zum Markusplatz. Gondeln fotografieren. Im Morgenlicht. Im Abendlicht. Mit Langzeitlicht. Einfach möglichst im besten Licht …

Und das hier ist mein Favorit!

Hier mein persönliches Lieblingsvenedigfoto, welches die Zeitlosigkeit dieser unglaublich schönen Stadt widerspiegelt!

Und für diejenigen, welche bis zum Schluss durchgehalten haben, noch ein paar Infos:

Unser Hotel:

Hotel Gorizia. Ganz in der Nähe vom Markusplatz. Nicht weit weg von der Vaporetto-Haltestelle ‘Rialto’. Ist so einfach zu finden, dass man sich garantiert nicht verlaufen kann. 🙂

Die Zimmer inklusive Muranoglas-Kronleuchter atmen den verblichenen Charme der vergangenen Epochen.

Netterweise befindet sich next door zum Hotel ein sehr feines Ristorante mit extrem netten Kellnern, die sogar extra für uns auf dem Markt frischen Fisch besorgt und wunderbar zubereitet haben (ohne Foto halt, musste essen :-)): www.nuovavaligia.it/eng/index.html

Und zweimal in der gleichen Gasse umfallen Richtung Rialto befindet sich dieses auch sehr empfehlenswerte Ristorante: www.ostarialacampana.it

Und wer sich für den Saverio Pastor interessiert und mehr über ihn und seine Arbeit nachlesen möchte: www.forcole.com/eng-contact.html

Die Gondelbauer haben keine eigene Webseite, aber eine Adresse und Telefonnummer:

Antico Squero San Trovaso
Eigentümer: Lorenzo Della Toffola
Dorsoduro 1097
I-30123 Venezia
Telefon: +390415229146

Vielen Dank für Euer Interesse, ich hoffe, es hat Euch gefallen, mit mir durch Venedig zu gondeln!

Und solange viele Hände diese Stadt zusammenhalten, wird sie stehen bleiben …

… und das Leben auf den Kanälen wird wie seit Jahrhunderten weitergehen.

22 Comments

  1. Karin says

    Che bello! Ich war ja auch grad in venedig. Und muss sagen, mit ein bisschen sonne, genial in szene gesetzt und erhascht von dir, Indra, siehts grad nochmals anders aus… 😉. La Serenissima ist certamente auch im dauergrau wunderbar, man sollte einfach nicht zu den typischen touristenzeiten da sein, um den zauber zu spüren… Grazie mille. E bentornato mittwochs!

    • Indra says

      Anche grazie tanto cara! Ja, mit soviel Sonne und Licht war es schon sehr dankbar, diese Stadt in ihrer Pracht zu fotografieren! Deine Fotos bei sehr viel schwierigeren Verhältnissen sind aber auch allerwundervollst. Wenn man den Blick nicht aufs Ganze richten kann, weil alles grau in grau ist, dann gelingt es Dir dafür immer, die charmanten und witzigen Details in Szene zu setzen! 😍

  2. Franziska Hidber says

    Ma che grandezzo! Bellissimo! Venedig im Januar, wunderschön eingefangen und ein Licht, das einen schon beim Anschauen taumeln lässt. Perfetto! Gratulazione!

    • Indra says

      Mille millione grazie per questi complimenti, cara mia! Era ultima piacere di fare questo Beitrag… 😍😘

  3. Fatima says

    Ich liebe Venedig! Und deine Fotos sind allerwundervollst. Der Einblick in die Gondelwerkstatt sehr interessant.

    • Indra says

      Anche millione grazie carissima Fatima! Ja, Venedig ist wirklich eine Stadt zum Verlieben! Ich bin froh, dass es dank Dir mittwochs.ch gibt und damit die Möglichkeit, die vielen Fotos und interessanten Erfahrungen auf eine Plattform mit grosser Reichweite zu stellen! 😍😘🙏

  4. Wow, was für ein eindrücklicher Reisebericht!!! So viele spannende Infos und so viele wunderschöne Bilder! Lieben Dank für den Link!

    • Indra says

      Cara Aline, Dein herzerwärmender Venedig-Rückblick mit den tollen Momentaufnahmen der Menschen, die die Stadt jeden Morgen wieder schön herrichten für die Heerscharen von Touristen, ist auch wunderbar! Da haben wir wieder eine Reise erleben dürfen, die uns noch lange lange freuen wird, gäll? 💓

      • Aline says

        Oh ja, unvergesslich schön war’s! Sich durch eine Stadt zu bewegen, kleine Geschichten zu entdecken, und sie versuchen durch die Fotolinse zu erzählen birgt, finde ich, ein ganz zauberhaftes Gefühl.

  5. Heidi Bur says

    Warum wohl kommt mir vieles so bekannt vor???? Super umgesetzt Indra! Kompliment!

    • Indra says

      Ja, warum nur? 🤔😅😜 – ich bin sooo gespannt auf Deine Fotos Heidi! Ist ja schon schade, dass wir am Auswertungsabend nur so wenige zeigen dürfen, gäll? Und tausend Dank für Dein Kompliment, meine Liebe! 😘

  6. Rosmarie says

    Aaah, mega! Wahnsinns Fotos! Ich muss au grad nach Venedig! Kompliment!

    • Indra Joshi says

      Hihi, ja gäll, das gibt grad allerschlimmstes Fernweh! Aber zum Glück ist Venedig gar nicht weit weg und wer Zeit hat, kann grad in den Zug sitzen und dorthin fahren. Sowieso besser jetzt noch, bevor der Carnevale startet, wobei, das natürlich sicher auch sehr schön ist, dieses Ereignis mal zu erleben. Was ich allerdings gar nie erleben möchte, ist Venedig von Frühling bis Herbst, wenn die ganzen Kreuzfahrtschiff-Moloche Venedig verdunkeln und Massen von Menschen aus ihrem Schlund aus den Markusplatz spucken…. Dann lieber Januar, wenns kalt ist und die meisten denken, es sei gar nicht schön da…. 😎🙃

  7. isabelle says

    mille grazie: mein venedig-weh hat mich zwar grad wieder gepackt beim anblick deiner genialen photos, aber gleichzeitig auch gestillt! du hast das, was ich an venedig liebe, genau “eingefangen”, glückwunsch! (wir waren das letzte mal über weihnacht/neujahr dort: war wunderbar mit den verschiedenen licht-stimmungen 😉 ).

    • Indra Joshi says

      So lieb, danke vielmals Isabelle! Wie war es denn über Weihnacht/Neujahr da? Würde mir jetzt auch gefallen, glaube ich. Eben das Licht ist einfach genial im Winter, aber wie ist es von der Menge an Touristen über Weihnachten? Mir wird es dann schon schnell zu eng in diesen Gassen muss ich sagen…. 🤗😘

  8. Asiram says

    Ich würde für Kunstfreaks gerne die Biennale 2019 empfehlen. Genial 😍
    Dieses Jahr findet die Architektur Biennale statt. Asiram

    • Indra says

      Ja, vielen Dank lieber Asiram für diesen Tipp! Du könntest uns auf mittwochs.ch Postkartengrüsse von der diesjährigen Biennale schicken, was meinst Du? 🙃

  9. Monika Büchi says

    Wow, Indra, wie schaffst du es nur, dass bei deinen Bildern immer das Ganze darumherum auch noch stimmt? Vordergründe, Hintergründe, Fussstellungen, immer alles perfekt inszeniert, ich bewundere dich!

    • Indra says

      Oh, Moni! 😍❤️ Du machst mich ja ganz verlegen! Glaub mir, es gibt ganz viele Fotos, auf denen gar nichts stimmt…. 😜😅 – und ja, vielleicht hat sich die eine oder andere Lehrstunde von Marcel in meinem Hirni so festgesetzt, dass beim Fotografieren vieles ganz automatisch abläuft…..

  10. Marianne Studer says

    Ja, das frage ich mich auch, wie du das machst! Ein wunderbarer Bericht und so verschiedene Stimmungen perfekt eingefangen.. Einfach super!

    • Du bist auch so ein Schatz! Danke Marianne für die vielen Blumen!! Ja, wie mach ich das? Ich glaube, immer, wenn es gleichzeitig in meinem Herz und meinem Kopf ‘Klick’ macht, weiss mein Fotoapparat, dass er auch ‘klick’ machen muss… Das heisst, wenn die Verbindung zwischen Herz, Hirn und Fotoapparat steht, dann passt’s oft. 🙂

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