Diese Woche, Indien

Back to the Roots IV: Home is where the heart is

Wenn der Guru ruft, dann folgen wir ihm überall hin, auch und sowieso nach Indien, da wo alle Gurus herkommen! Für mich war das die perfekte Gelegenheit, nach 24 Jahren das erste Mal wieder in das Land meines Vaters zu reisen: Mit sanftem Einstieg als Touristin und als Mitglied der Fotoschule von Marcel Grubenmann (www.noch-besser-fotografieren.biz) reiste ich mit meinen Fotogspändlis für eine Woche nach Maheswar am River Narmada, bevor ich dann alleine zu meinen Verwandten weiterreiste (Back to the Roots I: Indien inside…).

Fotoreisen mit Marcel habe ich schon ein paar gemacht. Letztes Jahr nach Island und einige Wochenendtrips nach hier und da, und es war immer ein grossartiges Erlebnis. Egal, wie die Gruppen für eine Reise zusammengesetzt sind: Es ist jedes Mal ein Riesenspass, und man lernt wirklich viel – über Land und Leute und natürlich vor allem auf der fotografischen Ebene.

Dieser Beitrag hier soll einen Eindruck davon vermitteln, was wir in dieser ersten Woche zusammen erlebt haben, und Ihr könnt entscheiden, ob bei mir etwas von dem, was Oberst Hathi Marcel uns versucht hat beizubringen, hängengeblieben ist … 🙂

In Mumbai angekommen staunte ich schon mal Bauklötze über den prachtvollen Flughafen, der hier entstanden ist. Und wo sind all die Menschen? In Indien ist man doch immer im Pulk unterwegs?

Und in den Hinterhöfen von einfachen Hotels in Mumbais stehen jetzt westliche Statussymbole herum und keine Maruti Cars mehr wie damals.

Aber der Charme des wilden Durcheinanders von „einigermassen im Schuss“ und „schon halb am Zusammenbrechen“ ist doch nicht verschwunden:

Unsere Reiseroute führte von Mumbai via Flug nach Indore mit dem Taxitransfer nach Maheswar am Narmada River.

Was auch immer dieses Schild hier im ersten Hotel zu bedeuten hatte,

uns bekümmerte das nicht, denn wir hatten ja unser Getränk dabei, obwohl die Namenswahl doch eher unglücklich ist für unsere Begriffe … 🙂

Friedemann wusste da noch nicht, dass er bald ein Star sein würde, und sass noch ganz entspannt im Taxi nach Maheswar:

Der indische Verkehr ist immer noch genau gleich wie damals, some things never change, aber immerhin sind die Strassen besser geworden, und damit man besser vorankommt …

…braucht man eben die Car Ganeshas,

zum Beispiel wenn man versucht, sich durch solche Nadelöhrs hindurch zu quetschen.

Aber Zeit für Ängste hat man sowieso keine, denn es ist immer so schön bunt hier:

Schauen und angeschaut werden…. dass wir auffallen, ist uns ziemlich schnell aufgefallen:

Ich muss schon sagen, Marcel hatte uns überhaupt nicht darauf vorbereitet, welches Paradies uns in Maheswar erwarten würde:

Der Garten vom Narmada Retreat Hotel – eine Orgie aus üppigem Grün.

Und da war er: der River Narmada! Der Fluss, von dem ich schon so lange geträumt hatte und der mir sehr viel bedeutet: Denn hier wurde damals die Asche meines Vaters gestreut, und ich konnte nicht dabei sein.

Foto by Marcel

So hätte ich eigentlich nicht mehr gebraucht, als hier zu sitzen von morgens bis abends, zuzusehen, wie die Sonne auf- und wieder untergeht, wie sich der Himmel in fifity shades of pink verfärbt und den Fluss verzaubert, wie das Leben erwacht und wieder schlafen geht …

Aaaber, es war eine Fotoreise und es gab soviel zu entdecken, da wäre es doch schade gewesen, eine Woche lang an dieser Stelle sitzen zu bleiben … 🙂

Und Marcel hatte ein äusserst üppiges und gluschtiges Programm auf die Beine gestellt, von dem ich Euch nun einen kleinen Ausschnitt zeigen werde:

Mit einer Bootsfahrt auf dem Narmada gelangten wir zu diesem verwunschenen Tempel auf einem Hügel nahe Maheswar, und hier ist er der Chef:

Der schelmische Guru mit dem neckischen Bärtchen hat es faustdick hinter den Ohren. Er verwickelte Nathalie in ein Gespräch, er auf Indisch, sie auf Englisch; und dann auf einmal nahm er ihr Gesicht in beide Hände und drückte ihr links und rechts einen dicken Schmutz auf die Wangen – leider gibt es davon kein Foto… 🙂

Guru trifft Guru – was für ein Spass!

Nathalie und Friedemann aber waren die Stars der Woche! Wo sie gingen und standen, sie waren ständig umringt von Fans, die alle nur eines wollten: One more Selfie, please!!

Irgendwann reichten den Fans die Selfies  nicht mehr und sie wollten Autogramme von Nathalie! … 🙂

Friedemann war sich der Verantwortung schnell bewusst, die der Gurustatus mit sich bringt und blickte gesetzt in die diversen Handys… Ich bin sicher, so ein Bärtchen mit Silberhülse hätte jeder Mann auch gern gehabt.

Naja, auch ich durfte neben Nathalie auf zahlreichen Selfies Platz nehmen … aber ganz ehrlich, manchmal rückten die vielen Fans so nahe auf, dass ich schon bald gerne gerufen hätte: ‚Ich bin ein Star, holt mich hier raus!‘ Zum Glück war Marcel immer in der Nähe und passte gut auf uns alle auf!

Foto by Marcel

Da die Inder alle fotografierbesessen sind, scheuten wir uns je länger desto weniger, unsere Kameras auf die Menschen am Fluss zu richten und soviele unvergessliche Momente einzufangen wie möglich:

Unser Glück war, dass genau in unserer Woche der Geburtstag des River Narmada gefeiert wurde! Nicht mal Marcel wusste davon. Er, der schon so oft in Maheswar gewesen ist, hat diese Zeremonie bisher auch noch nie erlebt! Und so füllte sich der das Tor zum Narmada im Lauf der Woche mit immer mehr Menschen, die ihren heiligen Fluss feierten und zelebrierten – und wir waren mittendrin.

Am Abend des grossen Festes wurden die Kerzenschiffchen entzündet,

die dann auf das Wasser gesetzt wurden im Gedenken an die verstorbenen Seelen. Und sicherlich durfte ich in Gedanken auch eines meins nennen – für meinen Vater …

Die Farben des Himmels findet man in Indien überall …

… aber vor allem in den Saris wieder:

Die Frauen sind so wunderschön, aber sie hier war die Allerschönste:

Eine Bollywood-Schönheit, nicht wahr? Wer weiss, vielleicht ist sie es auch … 🙂

Aber auch die kleinen Inderlis sind schon sehr gut im Posen:

Vor allem der Knirps im grünen Shirt weiss sich perfekt in Szene zu setzen:

Wenn uns der Trubel unten am Fluss zuviel wurde, stiegen wir einfach die Treppen hoch zu unserem Adlerhorst-Hotel Ahilya – das bisher schönste Hotel meines Lebens:

Das Zimmer mit Balkönli wäre Franziskas gewesen, aber sie war ja nicht dabei … 🙂 – mein Zimmer aber war auch nicht von schlechten Eltern:

Wohnen wie eine Maharani – wenigstens für drei Nächte …

In diesem Gästebuch sind wir nun alle verewigt.

Den Pool aber haben wir nur bewundert, denn die Wasserqualität schien uns zweifelhaft, so schön das Grün auch aussah …

Aber bei den Mahlzeiten, die an wechselnden Locations im grossen Hotelgarten aufgefahren wurden, taten wir uns nur allzu gerne gütlich:

Doch so lecker, wie das frisch geschnitten Grün aus dem eigenen Garten aussah, tat man doch besser daran, sich an die alte Reiseregel zu halten: ‚Cook it, peel it or leave it‘. Aber auch das hilft nicht immer, wie die arme Antonia am eigenen Leib erfahren musste …

Das Ahilya Fort war einst, wie der Name schon sagt, eine Verteidigungsanlage und gleichzeitig ein Maharadschapalast gewesen. Die adlige Familie hat es in ein Hotel umgewandelt und geführt wird es von Prinz Richard, der – welch Ehre – an einem Abend sogar himself mit uns dinnierte.

Neben einem echten Prinzen zu sitzen, fühlte sich echt gut an.

Foto by Marcel

Sein Credo ist es, ein Hotel zu führen, in dem wirklich all inclusive ist, sodass man während des gesamten Aufenthaltes kein einziges Mal die Kreditkarte zücken oder Quittungen für Getränke signieren muss. Alles ist vorher bezahlt und es herrscht das Motto: all you can eat and drink …

Foto by Marcel

… was wir natürlich taten: more Chapati bestellen und vor allem die Bar mit dem Bier und den Cocktails geniessen, und das alles in dieser märchenhaften Atmosphäre zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Zum Ahilya Fort gehört auch die Handweberei der Rhewa Society. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, die Tradition der indischen Webkunst nicht aussterben zu lassen. In der Rhewa Weberei finden viele Menschen von Maheswar ihr Auskommen. Ihre Kinder gehen nebenan in die ebenfalls von der Rhewa Society geführte Schule. Dank Marcel durften wir die Weberei mit unseren Fotoapparaten besuchen und versuchen, die Schönheit dieses Ortes aufs Bild zu bringen:

Zuerst ein Handyshot, um einen Eindruck zu haben, was für ein pittoreskes Durcheinander hier herrscht – und dann zu den Details:

Die Konzentration, mit der hier in der grössten Hitze über Stunden und Stunden Fäden gezählt werden, um danach die kunstvollsten Muster zu weben, hat uns unglaublich beeindruckt! Und wir nahmen nicht nur Fotos und Erinnerungen von diesem Besuch mit, sondern haben uns im Showroom und Shop auch sehr, sehr viele Schals gekauft … 🙂

Viel zu schnell war der letzte Morgen in Maheswar da, und wir gingen in aller Herrgottsfrühe noch einmal zum Fluss und seinen Menschen hinunter, um uns ein letztes Mal verzaubern zu lassen:

Und dann liessen wir die Menschen wieder in Ruhe ihren Tätigkeiten nachgehen,…

… verabschiedeten uns von den malerischen Details, die seit Jahren vor sich hinstauben, …

… sagten den Kindern, die uns soviel Freude gemacht hatten und wir ihnen, ‚Tschüss‘ …

… warfen ein letztes Mal einen Blick auf das ‚Center of the Universe‘,

… packten unsere Kameras und Erinnerungen ein und machten uns auf die Weiterreise – Die Hathi Girls mit Nathalie, Heidi, Katrin und Antonia nach Norden, Hilde und Jules gen Süden, Friedemann schweren Herzens nach Hause, ich nach Westen, Marcel aber blieb in Maheswar und erholte sich eine Woche lang von uns mit intensivem Meditieren … 🙂

Foto by Friedemann

Ja, Elvis Presley hatte recht: Home is where the heart is – und mein Herz, oder zumindest ein beträchtlicher Teil davon, ist am River Narmada geblieben. Ich hoffe sehr, dass ich ihn wiedersehen werde …

Und hier der Webseiten Check:

25 Comments

  1. Heidi says

    Ich liege im Liegestuhl bei fast indischen Temperaturen und sehe meine Maheshwar-Woche an mir vorbeiziehen…sooo schön!
    Danke, Indra!

    • Indra says

      Ahh, Heidi! So schön, dass Du die erste bist, die – natürli abgesehen von meinen mittwochs Gspändli – sich über diesen Indienbeitrag und in Deinem Fall auch noch über die Erinnerungsreise freut! Grosses Dankeschön für Dein Kompliment Du Liebi!

  2. Franziska says

    Danke, liebe Indra, einmal mehr für eine märchenhafte Entführung an einen magischen Ort. Und obwohl ich kein Guru bin, gebe ich fünf von fünf Sternen!

    • Indra Joshi says

      1001 Dank für diese grosszügige Sternebewertung, my dear! Und das nächste Mal kommst Du dann einfach mit und wir schauen, dass Du das Zimmer mit Balkönli bekommst, abgemacht? 🙂

      • Franziska says

        Unbedingt! Ich beobachte dann vom Balkönli aus, wie ihr nach der richtigen Einstellung sucht;-))

  3. Fatima says

    Was für ein wundervoller Beitrag, liebe Indra. Ganz und gar Zauberhaft!
    Ich kann mich nicht satt sehen.

    • Indra Joshi says

      Danke meine liebe Fatima! Es war mir eine grosse Ehre, diese Plattform für meine Indienschwelgerei nutzen zu dürfen! 🙂

  4. Ines says

    Sehr wunderbar, liebste Indra! Fast als wär ich dabei gewesen… Ganz toll auch die Infos und Links, das wär ja jetzt ein Klacks, diese Reise nachzubauen 😊. Hab Dank!

    • Indra Joshi says

      Danke Du Liebe und Du hast Du recht! Es ist wirklich ganz und gar nicht kompliziert, diese Reise nach Maheswar nachzubauen! Sag mir, wann Du reist und ich komme wieder mit!!

  5. Karin says

    nicht nur mit der kameralinse gesehen, sondern auch mit dem herzen. 😘

    • Indra Joshi says

      Hihi, ja, es heisst doch so schön: man sieht nur mit dem Herzen gut – und das ganz ohne Brille… 😉

  6. Monika Büchi says

    Wow, Indra, so viele wundervolle Bilder, ich kann mich gar nicht sattsehen!!! Jedes ein Kunstwerk!
    Wozu habe ich mich denn auch noch zum Indienabend angemeldet?
    Ah ja, zum nochmals sehen 😉

    • Indra Joshi says

      Hei Monika! Vielen vielen Dank für diese Blumen!! Und wozu Du Dich für den Indienabend angemeldet hast? Na, genau, um diese und noch ein paar andere Fotos von meinen zu sehen aber vor allem weisst Du ja noch nicht, was Dich für Wunderfotos von den anderen IndienfotigrafInnen erwarten! Und ich garantiere Dir: viele davon sind viel besser als meine… :-))

  7. Was für ein grossartiger Reisebericht, liebe Indra (herzlichen Dank für diese Erinnerung). Deine Fotos zeigen einmal mehr, wozu sie am Besten dienen: Gelebte Momente in bester Erinnerung zu behalten!
    Auf noch viele weitere Reisen, die erst durch euch zu solch grossartigen werden!
    Mit grosser Dankbarkeit, Marcel

    • Indra Joshi says

      Lieber Marcel, Dein Lob von höchster Gurustelle macht mich natürlich sehr sehr happy!! Und ich freue mich auf jede Fotoreise mit Dir und allen die dabei sein werden… Was für ein Glück, daraus soviel gelebte Erinnerungen und wunderbare Fotos mitnehmen zu dürfen!

  8. Werner Kunz says

    Vielen Dank Indra mit Deinen Bildern, welche alle wunderbar sind und Deinem witzigen Text hat man das Gefühl selber dabei gewesen zu sein.

    • Indra says

      Mehr kann ich gar nicht wollen lieber Werni! Viele viele Mercis für dein Kompliment!

  9. Didi says

    Tja was soll man dazu noch sagen, wenn alles schon gesagt ist? Der Bericht – indravenös verabreicht – entführt vom ersten Foto bis zur letzten Zeile in eine andere Welt – fanjoshtisch 🙂

    • Indra says

      Na, da bin ich aber schon froh, sind dir noch ein paar gänzlich ungesagte Worte eingefallen! Du weisst ja, wie sehr ich didifferenzierte Kommentare schätze! Und diesen hier ganz besonders… 😊

  10. Marianne Studer says

    Danke für den tollen Reisebericht und die wunderschönen Fotos, Indra. So kann ich auch ein wenig an eurer Reise teilhaben!

    • Indra says

      Das freut mich mächtig, liebe Marianne! Und ich hoffe, Du lässt Dir das Vergnügen des Indienfotoabends nicht entgehen, denn es gibt noch viel mehr und viel schönere Fotos zu sehen!… 😍

  11. Monika says

    An dir ist eine Autorin verloren gegangen. Ich könnte deine Beiträge Stundenlang weiterlesen. Von den tollen Fotos ganz zu schweigen. Danke Indra

    • Indra Joshi says

      Liebe Monika, ja die Autorin ist wirklich verloren gegangen – aber wenigstens mit diesem Mittwochsblog kann sie sich eine Plattform verschaffen – vielen Dank für dieses grosse Lob!

  12. Ursula Schiess says

    Liebe Indra
    wiederum eine eindrückliche Reise mit Dir zu Deinen Wurzeln. Was für ein Licht und welch Ruhe dieser Fluss und Deine Bilder ausstrahlen. Sind es die ehrwürdigen Seelen, die dies ausmachen? Deine Bilder erwecken den Eindruck, als würde der Himmel daherfliessen. Wieso ist eigentlich die Ausstrahlung der Aare so anders?
    Ein Strom von dankbaren Grüssen an Dich, die Du es selbst in der struben Zeit vor Schuljahresende schaffst, einen momentweise aus dem Schraubstock der Pflichten zu verführen und Sinnliches erleben zu lassen.
    Sei umarmt! Ursula

    • Indra Joshi says

      Ach Ursula, wie diese Worte immer aus Dir herausfliessen! Du bist eine Poetin! Ich bin so Fan von Deiner Alltagspoesie!

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