Diese Woche, Hongkong (China), Reisen

Komm mit nach Hongkong

Um es vorweg zu nehmen: Was Hongkong angeht, bin ich nicht neutral. Die Stadt hat es mir angetan – und das innerhalb von vier Tagen!  

Die schiere Menge an Menschen, die absurd dichte Bebauung, das Gewusel zwischen den Häusern (ohne dass man sich zu sehr auf die Pelle rückt), die krassen Gegensätze von polierter Fassade und abgelebtem Hinterhof, die Gerüche, die zweistöckigen Rumpeltrams, die klinisch saubere Metro, die immer feuchte, nicht immer saubere Luft… ich bin begeistert!


Ein kluger Mensch schrieb einst (und zwar in meinem Reiseführer von Marco Polo), nach einem Tag in Hongkong hasse man die Stadt, nach einer Woche aber möchte man eine zweite anhängen. Stimmt. Ich bin infiziert. Und hätte nach vier Tagen gern verlängert, denn wir haben längst noch nicht alles gesehen. Nicht mal einen Bruchteil von allem. Aber doch so dies und das. Zum Beispiel…:
Hongkong von oben. Die Vogelperspektive zeigt das Hauptproblem: Kä Platz! 7,4 Millionen Menschen quetschen sich auf wenigen Quadratkilometern am Meer zusammen, im Rücken die Berge, die nicht bebaut werden dürfen. Unablässig wird neues Land im Meer aufgeschüttet, Einfamilienhäuser sind verboten, man baut in die Höhe, aber trotzdem ist Wohnraum absurd teuer. Das Problem wird verschärft von unvorstellbar reichen Festlandchinesen, die sich schlichtweg alles leisten, egal, was es kostet.

Jeder Tourist muss mal auf den Victoria Peak, der sich auf Hongkong Island erhebt, und sei es nur für einen ersten Überblick. Kein Gemotze über schlechte Sicht, bitte. Wir hatten Glück, an den nächsten Tagen sah man deutlich weniger, weil Wolken die obere Hälfte der Gebäude verschluckten.

Blick von Hongkong Island Richtung Halbinsel (Kowloon). Die beiden Stadtteile sind durch unterirdische Tunnels, eine Brücke und die berühmte Star Ferry verbunden.

Das war das allererste HKG-Foto am Boden im Taxi vom Flughafen in die Stadt.

Das zweite HKG-Foto am nächsten Morgen. Irgendwie typisch: Knallbunte Reklame meets Beton. Und ja, der Kommerz kann nicht kindlich genug sein. Man glaubt nicht, wo man beispielsweise Hello Kitty überall antrifft, sogar auf Thermosflaschen von Strassenarbeitern hab ich das Vieh erspäht!

Auch das ist Hongkong. Der berühmteste Strand der Stadt, die Repulse Bay, komplett mit Rettungsschwimmern und Temperaturanzeige. Bedeckt, 27 Grad. Ohne Wolken 37.


Die Repulse Bay ist eingefasst von Shops. So kann man beispielsweise einen Tesla posten. Bis vor kurzem waren Elektrofahrzeuge von der 100-prozentigen Steuer auf Autos befreit.

Nummernschilder können frei gestaltet werden. Selbstverständlich gegen einen kleinen (haha) Aufpreis. Dieser Fahrer scheint immerhin über Selbstironie zu verfügen…

Ebenfalls ein Touristen-Must ist eine kleine Rundfahrt mit einem Sampan („flaches Boot“) im Hafen von Aberdeen. Unsere Kapitänin hatte ordentlich Haare auf den Zähnen, dirigierte jeden Touristen gewichtsoptimiert auf sein Plätzchen und kassierte dann so burschikos, dass man schon gar nicht mehr wagte, das Rückgeld einzufordern.

Die Fahrt führt obligatorisch zum Jumbo Kingdom, einem riesigen schwimmenden Restaurant, das auch schon für James James Bond und Jackie Chan als Kulisse diente. Wir hatten zufälligerweise… nein, glücklicherweise keinen Hunger.

Das Jumbo Kingdom von hinten ist nämlich gruusig. Unvorstellbar, hier zu leben…

Wieder an Land, können wir irgend einem Gott danken, zum Beispiel dem God of Prosperity. Praktiziert wird fast jede Form von Religion, gerne auch mehrere parallel.

 

Ganz bestimmt angebetet wird der Kommerzgott. Vor allem die jungen Hongkonger mögen Mode, Elektronik und jegliche Form von Shopping. Sowohl im topmodernen Center als auch in der Apliu Street, wo alles einen Nixer kostet, selten etwas taugt aber immer blinkt und hupt.

      

Und zwischen den Häusern, auf Fusshöhe, immer mal wieder ein kleiner Altar.

Sowie Stände mit den erforderlichen Devotionalien wie „Geld“ in Stapeln.

Sehr exotisch ist die Art und Weise, wie Fische, also Zierfische, gekauft werden. Es gibt sie im Offenausschank zum Selberschöpfen:
 
 

Oder abgepackt im Beutel. Ich hoffe einfach inständig, dass sie bald von der Tüte in ein schönes Aquarium umziehen dürfen.

Jedenfalls ist das eindeutig ein Family Business, siehe Fotos!
 

Furchtbar fand ich den Vogelmarkt. Die farbig schillernden Vögelchen werden in viel zu engen Käfigen gehalten. Deshalb hier nur ein Bild von einem Käfigmacher und von Vögeln, die wenigstens genug frische Luft bekommen. Es gibt viele andere.

Gut gefallen hat mir hingegen, dass es trotz Plastikschwemme vom Festland immer noch Handwerker gibt… Was der Schlüsselmacher in sein Buch schreibt, ist mir zwar ein Rätsel. Der Mann mit der Schirmmütze am Elektronikmarkt flickte irgendwas, der Lötkolben jedenfalls wirkt professionell.

Und manchmal gibt es auch Details, die richtig, richtig rührend sind. Ich stelle mir gerne vor, dass hier geschrieben steht, dass man zu diesem Pflänzchen in einem Park Sorge tragen soll…

Das Grün wird gehegt und gepflegt, auch auf dem Hochhaus!

Und zum Abschluss der Beweis, dass es nicht immer grau ist in Hongkong… ein hellblauer Sonnenuntergang!

Und eine gar nicht so dunkle Nacht in einer der zahlreichen Rooftop Bars.

Im 2. Teil (Mittwoch, 17. Mai)  geht es dann um Food und Stadtleben.
Denn: Hongkong must eat!

HKG-Facts 

  • Anreise: Die Swiss fliegt täglich nonstop in rund 12 Stunden nach Hongkong.
  • Tipp: Gleich nach Ankunft im Flughafen eine „Octopus-Card“ für den öV kaufen. Man lädt sie mit einem Geldbetrag und fährt damit ohne Münz U-Bahn, Tram und Bus, z.B. vom Flughafen in die Innenstadt. Mit 100 Hongkong-Dollar (ca. 14 Franken) kommt man schon sehr weit.
  • Reisezeit: Nicht unbedingt im Sommer (Mai bis September), es ist dann schwülheiss und erst noch Taifunsaison. Optimal ist es zwischen Oktober und Januar, weil kühler. Mit Regen und Wolken muss man aber immer rechnen.
  • Unterkunft: Es gibt alles – von klein (also winzig) bis gross (also nicht ganz so winzig) und luxuriös. Wir waren im „Icon“ auf der Halbinsel Kowloon – sehr zu empfehlen und gerade eben von Trip Advisor als eines der besten Hotels in China ausgezeichnet. www.hotel-icon.com
  • Kosten: Hongkong gilt als eine der teuersten Städte der Welt… Zürich aber auch. Insofern ist man als Schweizer bereits geeicht. Sehr günstig ist chinesisches Essen, aber es ist auch gewöhnungsbedürftig (siehe Teil 2)
  • Was tun in Hongkong: Es gibt keine weltberühmten Museen, Konzertsäle, oder höchste Gebäude der Welt, aber jede Menge Menschen und Kuriositäten. Shopping: Qualität kostet nicht viel weniger als in Europa. Wer sucht, findet auf den Märkten dreckbilliges, kurioses Zeug, meist aus China. 
  • Merke: Manchmal lohnt sich der Blick nach oben… diese zwei standen jedenfalls zirkuswürdig nah am Abgrund.

8 Comments

  1. Franziska Hidber says

    Wunderschöne, bunte Traumreise – im Kopf. Es ist, als könnte ich „Hello Kitty“ riechen und das Gewusel fühlen. Faszinierend vom ersten bis zum letzten Bild.

  2. Fatima says

    Toller, inspirierender Bericht. Und diese Farben!
    Der Taxifahrer fährt auf der rechten Seite?

    • Karin says

      Ja, der sitzt rechts wegen Linksverkehr (Hongkong war ja eine britische Kolonie). Die Farben fand ich auch toll. Bunt auf Nebelgrau!

  3. Andreas Schweizer says

    Wunderschön dokumentiert. Und ja, das war auch meine Erfahrung. Um Mitternacht einen Drink, draussen am warmen Viktoria Harbour, die Star Ferry für einen Franken, Taxis jederzeit ohne zu warten für einen 5-liber, Stanly, mit dem Charme Asconas, Asiatisches Essen, Bars bei den Escalators, etc, etc, etc.
    Dreimal ‚wohnte‘ ich da während den 4 Jahren wo mein Sohn dort arbeitete. Unglaublich schön.

    • Karin says

      Oh toll, noch ein Fan! ich habe erst nach der Reise realisiert, dass HKG nicht so besonders mehrheitsfähig ist… viele finden die Stadt zu laut, zu hektisch, zu wenig mit architektonischen Highlights gesegnet…

  4. Indra says

    Liebe Karin, ich liebe Deine Schreibe und Deine Fotos! Vielen Dank für diesen wunderbaren Stadtbummel in dieser faszinierenden Stadt! Ein riesengrosses Highlight auf mittwochs.ch 😍

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