Diese Woche, Februar, Wandern

Pizol für Anfänger

Anfahrt aus Zürich: 1 Stunde. Fahrt auf den Gipfel: 40 Minuten. Spaziergang zur Pizolhütte und zurück: 1,5 Stunden. Erholungseffekt: hält tagelang!

Noch nie im Leben war ich auf dem Pizol. Ein Anlauf im letzten Sommer endete schon an der Talstation, weil die Gondelbahn wegen eines Föhnsturms den Betrieb eingestellt hatte. Berühmt ist sommers die 5-Seen-Wanderung, im Winter ist der Pizol eher für seine 43 Kilometer Pisten bekannt als für Wanderwege. Aber der eine Weg, den es gibt, ist die Reise wert.

In der Gondelbahn: Es ist lustig zu sehen, wie rasch die Optik unterwegs von grasgrün zu schneeweiss wechselt. Vom zweiten Teil mit dem Sessellift habe ich allerdings kein Bild, ich war damit beschäftigt, Rucksack und Kamera in meinen erfrorenen Pfoten zu halten und nicht allzu laut mit den Zähnen zu klappern. Merke: Fahrtwind ist fies, und es lohnt sich, einen Sessel abzupassen, der Windschutz hat (einige haben keinen!)

Oben angekommen musste ich mich zuerst mal im Laufbodenstübli auftauen. Auch hier kein Foto – die Beiz war so gerammelt voll, dass ein Rumwühlen im Rucksack  auf der Suche nach der Kamera am Tisch einen unkontrollierbaren Domino-Effekt ausgelöst und zum absoluten Chaos geführt hätte. Schon das Teetrinken war ein Akt; dafür lernt man die Sitznachbarn schnell kennen. Gemütlich!

Um die neu gewonnene Körperwärme zu bewahren, empfiehlt sich anschliessend flottes Gehen auf dem erst kürzlich neu erstellten Winter-Wanderweg, der vorbildlich ausgeschildert  ist:

Das ist der Blick nach vorne, an selber Stelle nach hinten gekuckt siehts so aus:

Die Bergstation des Sessellifts würde jedem 70er-James-Bond-Tribut zur Ehre gereichen, das Teil hat echt Style! Erinnert auch ein wenig an den Helm von Darth Vader, also rein von der Form her…

Was soll ich sagen? Es ist wie im Schnee-Schlaraffenland. Weiss, wohin man schaut. Zuerst war auch der Himmel weiss, später versammelten sich Schäfchenwolken auf dunkelblauem Himmel. Wanderer hatte es trotz Sportferien fast keine.

Dafür überall diese hübschen neonorangen Pfosten. Irrläufe sind ausgeschlossen.

Nach relativ kurzer Zeit kommt man zu einem neuen Aussichtspunkt samt einem sogenannten Fotospot der “Grand Tour of Switzerland” (ein roter Rahmen für Selfies). Der Aussichtspunkt sorgt auch für Bildung:

Und es gibt in jede Himmelsrichtung eine Sitzbank.

Nach dem Aussichtspunkt geht’s noch zwanzig, dreissig Minuten rauf und runter bis zur Pizolhütte. Die Gerstensuppe war schön heiss und der Espresso stark.

 

Vor dem Haus ein Wegweiser, der wohl impliziert, dass der Pizol der Nabel der Welt ist:

Oder schlicht und schön:

Total baff macht mich auf dem Rückweg diese Mini-Gletscherspalte, die blau leuchtet und dabei verschmitzt lächelt:

Auch am Himmel ist es inzwischen blau…

Oder je nach Himmelsrichtung auch wieder weiss.

Hier sieht man, dass es nicht nur auf dem Sessellift windet. Aber ich bin schlau, auf dem Retourweg nehme ich einen Sessel mit Klappe!

Ein letzter Blick ins Tal, bevor es wieder runter geht.

Nach insgesamt knapp 7 Stunden bin ich dann wieder zu Hause und fühl mich wie nach 7 Tagen Winterferien… also fast.

🙂

Pizol

  • Anfahrt mit öV oder Auto (5 Minuten ab Autobahnausfahrt, ausreichend PP vorhanden): Pizolbahnen Bad Ragaz, Loisstrasse 50, 7310 Bad Ragaz (alternativ: ab Wangs mit den Pizolbahnen Wangs)
  • Man klettert zuerst zusammen mit den Wintersportlern in eine Sechser-Gondel und steigt dann bei der Station Pardiel um auf einen Vierer-Sessellift bis Laufböden.
  • Einkehren: im Laufbodenstübli bei der Bergstation oder in der Pizolhütte am Scheitelpunkt der kleinen (5-6 km) Wanderung.

4 Comments

  1. Indra says

    Einfach fantastisch, Karin! Wie Du schreibst und fotografierst und das Ganze zu einem witzigen und gluschtigmachenden Beitrag zusammenfügst! Grosses Kino, ganz grosses!

    • Karin says

      Danke, Indra! Wirde ganz rot. Aber ja, Schnee und so hat eben schon was… 😉 Liebe Grüsse in den hohen Norden!

  2. Fatima says

    Ganz wunderbar, liebe Karin, die wunderschönen Schneefotos – und der lebensnahe Bericht inklusive Zähneklappern!

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