Ausflüge, Diese Woche, Wandern

Rhein ins Vergnügen

Einen Bonus für Originalität gibt es für eine Reise an den Rheinfall ja kaum. Dafür einen schönen Tag mit viel Grün und Gischt.

Das letzte Mal gesehen habe ich ihn vor etwas mehr als vierzig Jahren im Klassenlager in der vierten Primar. Natürlich weiss man auch ein paar Jahrzehnte später noch, dass er da ist, aber, hei… das reicht ja auch. Oder? Man könnte sich doch mal spazierenderweise annähern. Und schauen, ob er immer noch so gross ist und ob die Gischt immer noch so stiebt.

  • Ausgangspunkt: Rheinau
  • Strecke: Immer dem Rhein entlang, 2 1/2 Stunden. Steigungen: keine.
  • Zurück: mit dem Schiff
  • Wenn 2 1/2 Stunden zu wenig sind: Man kann weiterwandern bis nach Schaffhausen (plus ca. 1 Stunde), zurück mit öV.

Los geht’s beim Kloster Rheinau, das man, wenn man Zeit und Lust hat, auch besichtigen kann.

Alles ist prima angeschrieben:

Laufen Rheinfall ist das Ziel

Schon bald lässt man das Kloster hinter sich.

…und findet die ersten lauschigen Eckchen mit Feuerstelle. Touristen hats hier keine. Das wird sich noch ändern.

Baden ist offiziell verboten, aber nur für Männer in Badehosen :). Tatsächlich haben wir drei ältere Damen im Fluss planschen sehen und keinen einzigen Kerl. Könnte natürlich auch an was anderem liegen (ältere Damen sind härter im Nehmen?)

Was dann folgt, ist eine Orgie in Grün und Türkis. Der Weg führt oft direkt – also wirklich ganz direkt – am Wasser entlang, immer mal wieder durch den Wald und ist wunderschön.
 

Manchmal gleitet auch ein Boot den Fluss runter – oder kämpft sich flussaufwärts.

Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir bei der Badi Bachdelle Sachsen an. Der Wanderweg führt durch die Badi hindurch, aber wir machen Pause und teilen uns Hamburger und Pomfritz. Beides übrigens sehr gut! Der Hamburger wird frisch auf dem Grill zubereitet.
 

Neben dem Kiosk hängt ein sehr interessantes Schild:

Das kommt auf jeden Fall auf meine To-Do-Liste!!

Immerhin darf man hier baden, Männlein und Weiblein, allerdings mit der Verantwortung. Der eigenen. Eine überaus praktische Rettungsgerät-Anweisungs-Abfallstation!

Mangels Bade-Outfit wandern wir mit Burger und Pommes im Bauch weiter dem Wasser entlang.

Bis das Tosen immer lauter wird, bis man irgendwann im Wald vereinzelten Japanern begegnet und bis man ein letzte Mal um die Ecke biegt — TA-DAA! Le Rheinfall!

Waren die Häuser 1975 auch schon da?? Die Aussichtsplattform jedenfalls war’s…

An die kann ich mich erinnern. Und auch daran, dass ich damals unbedingt auf den mittleren Felsen wollte, aber dass das im Klassenlager-Programm irgendwie nicht drin war. Deshalb: Jetzt ist DIE Gelegenheit! Auf einer ziemlich grossen Tafel steht das Menu. Wir kaufen zweimal Menu 1 – “Felsenfahrt”. Die beginnt am gegenüberliegenden Ufer, aber das ist kein Problem, weil alle fünf Minuten eine Fähre eine neue Ladung Touristen von hüben nach drüben und umgekehrt schaufelt. Es ist alles nummeriert und organisiert.

Hundeselfie mit Rheinfall als Hintergrund – so sweet!

Die Fahnenstange ist unser Ziel.

Wir sind natürlich nicht die einzigen.

Sowas von überhaupt nicht!

Trotzdem, der Ausflug hat sich gelohnt. Die Menschenmassen kommen schubweise, und wenn man ein wenig wartet und nicht gleich nach oben stürmt, hat man zwischendurch den unteren Drittel des Felsens ganz für sich allein, inklusive schöne Aussicht.

Dann steigen wir natürlich auch noch nach oben. Unterwegs bewegt man sich der Grenze zwischen den Kantonen Schaffhausen und Zürich entlang.

Wie gesagt, es hat ein paar Touristen.

Und die Gischt… die Gischt ist wie vor vierzig Jahren.

Beim Warten aufs Retour-Schiff ist mir dieser Herr besonders aufgefallen. Er trug Fellmütze und Pullunder und badete andächtig seine Hände im Rheinwasser.

Auf dem Weg zurück macht der Kapitän einen Umweg und lenkt das Boot, so denkt man, direkt in den Wasserfall (die Motoren dröhnen ordentlich), bis er im letzten Moment abdreht und man spürt, wie die Kraft des Wassers das Schiff flussabwärts spült. Klick!

Tja, der Rhein – “der Amazonas Europas” (sagt der Kapitän).

Wer möchte, kann am Rheinfall etwas essen und trinken, aber es ist sehr, sehr, sehr touristisch. Obwohl ich bezweifle, dass viele Inder oder Chinesen mit dieser Werbung etwas anfangen können.

Wer noch nicht genug hat, kann mit einem pinken Info-Boot eine Runde drehen.

Wir hingegen besteigen das Schiff, das uns nach Rheinau zurück bringen wird. (Abfahrt 11.30, 13.00, 14.30 und 16.00). An Bord gibt’s Bier und Rivella, serviert vom Bootsjungen.

Mit uns fährt ein älteres Geister-Ehepaar ganz schicksalsergeben dem Nirvana entgegen…

okay… vielleicht auch nicht… aber ein wenig sieht es so aus, oder?

Ein letzter Blick zurück.

Das ist definitiv die Schokoladeseite des Rheinfalls.

Zurück in Rheinau, steht da immer noch das Kloster (keine grosse Überraschung)… und ich mag den glücklichen Klosterkühen ihre Hörner und viel Gras unterm Bauch gönnen.

Tipp: Im frisch renovierten Restaurant Augarten in Rheinau (http://www.augarten-rheinau.ch/) gibt’s unter alten Bäumen ein gutes Zvieri!

Der Rheinfall war also keiner. Der nächste Besuch wird aber im Hochsommer sein, mit Badi-Zeug und einer Schwimmhilfe, die nicht grösser ist als 1.68 m.

PS Ich weiss nicht, weshalb Niklaus Meienberg hier an einer Wand am Rhein verewigt wurde, aber ich habe mich gefreut, wieder einmal an ihn erinnert zu werden.

34 Comments

  1. Gudrun Weil says

    Wiederum ein sehr ideenreicher, ausführlicher Bericht und erst die Fotos: einfach wunderbar! “darum (warum) ist es am Rhein so schön …” ! Vor vielen Jahren waren wir in Schaffhausen; ich erinnere, daß wir auch so begeistert waren. Jetzt mit dem Bericht und vor allem, mit diesen Fotos bin ich ganz hin und weg und möchte das obige Lied vom Rhein 🙂 singen! Und ja, das sind unsere “gigantischen, super galaktischen ‘Niagara’ STOP: “RHEIN-FÄLLE” 🙂 🙂 🙂 . Danke für den Bericht!

    • Fatima says

      Gudrun, dieses Lied kenne ich noch gar nicht. Gehe sogleich recherchieren.

  2. Gudrun Weil says

    PS: Nachtrag zu meinem ersten Kommentar:
    natürlich würde ich gerne eine kleine Wanderung entlang des Rheins unternehmen (wie auf dem einen Foto zu sehen); das regt mich sehr an. Vielleicht machen wir das mal mit der Family!

    • Karin says

      Liebe Gudrun, danke fürs Lob 🙂
      Dieser Ausflug hat wirklich alles, e chli Bewegung, e chli Bootsfahrt, e chli baden (im Sommer), e chli essen… viel Vergnügen dann! Ich würde einfach unter der Woche gehen, weil es sonst vermutlich noch mehr Leute hat (wir waren an einem Freitag unterwegs).

  3. Indra says

    Köstlich, einfach köstlich, Karin! Ich amüsiere mich immer so prächtig bei Deinen Berichten, bin hin und weg von Deinen Fotos und wünschte mir einmal mehr, ein bisschen näher an der Ostschweiz zu wohnen, denn diesen Spaziergang würde ich doch auch sehr gerne mal unter die Füsse nehmen….

    • Karin says

      … ja, und ich denke immer, wenn ich deine Fotos sehe: Gopf, wieso ist dieser grossartige Hallwilersee – beispielsweise – bloss fast eine Tagreise von Meilen entfernt… So können wir uns gegenseitig prima mit Fotos “zeukle” (verstehst du das oder sagen das nur die Zürcher?? ;))

  4. Andreas Schweizer says

    Einfach cool, dieser Reisebericht – und sehr lebendig getextet und bebildert. Gar nicht einfach sowas, wie ich aus Erfahrung weiss 😊

    • Karin says

      Mängisch flutschts guet, mängisch weniger. Der Rhein hat geflutscht! 🙂

  5. Didi says

    Sehr schön! Text wie Bilder machen gluschtig. Ja vor allem möchte ich wissen, was es mit diesem Badeboot auf sich hat!
    Ich empfehle auch die andere Richtung von Rheinau aus, unter der letzten Schwelle mit dem Schlauchboot einwassern und dann bis nach Eglisau oder wenn man 2 Tage Zeit hat bis nach Bad Zurzach mit Übernachtung im Restaurant Fähre beim Kraftwerk. Die erste Stunde, bis die Thur und dann die Töss in den Rhein münden, wägt man sich tatsächlich im Amazonas…

    • Franziska says

      Also gut, was Didi unter Amazonas versteht, weiss ich spätestens seit einem ziemlich originellen Video aus dem Aargauer Wald (prust!).

      • Karin says

        Das ist mir leider komplett entgangen. Bildungslücke??

        • Franziska says

          Das war bei dieser Challenge, als man angezogen im Wasser schwimmen musste. (Ich schickte meine Hündin, sie hatte das Fell schon an;-))

    • Karin says

      Schlauchboot, wie cool!! Wir sahen ein paar Schlauchböötler mit Schwimmweste und Paddel. Sieht sehr gemütlich aus. Ungemütlich wird’s höchstens, wenn ein Amazonas-Krokodil ins Boot beisst 🙂

  6. Franziska says

    Also wenn jetzt nicht Rheinfall-Tourismus kommt und die Karin Aeschlimann vom Fleck weg als Botschafterin engagiert, dann weiss ich auch nicht weiter.

    • Karin says

      Hihi, Franziska, das wärs ja noch. Vielleicht sponsern sie mir den nächsten Ausflug zum Felsen, und wenn sie mir ein Ticket für zwei schenken, nehm ich Fatima mit! 🙂

      • Fatima says

        Chchch. Heute bin ich so mutig aufgelegt … Ich würds also machen! 🙂

  7. Fatima says

    Humorvoll, ideenreich, super fotografiert = Megalaktisch

    Auf das Inseli habe ich mich bisher nicht getraut. Immerhin weiss ich jetzt wie es wäre. 😉

    • Karin says

      Danke, danke! Es wäre etwas crowded, aber lohnend. Oder zumindest amüsant.

  8. Ruth Aeberli says

    Wau, toller Bericht. Total gluschtig. Bei mir sind es 60 Jahre!?!? Werde das in nächster Zeit abmarschieren mit oder ohne Badehosen.Vielen Dank.

  9. Heiner says

    Im Blog wurde geschrieben:
    “Wer möchte, kann am Rheinfall etwas essen und trinken, aber es ist sehr, sehr, sehr touristisch.”
    Im Schloss Laufen am Rheinfall (oben am Fesen der Züecherseite des Rheinfalls, kurz bevor die Eintrittskontrolle an den Fall steht, befindet sich eines der besten Restaurants der Region. Eine Einkehr lohnt – ist aber nicht ganz gratis :-). Aber sehr lecker.

    • Karin says

      Danke, Heiner, für den Tipp. Ich hab nur das Restaurant unten an den Landungsstegen gesehen… 😖

    • Franziska says

      Ja! Meine Nachbarn (ursprünglich aus Schaffhausen) und Gourmets der Extraklasse, schwärmen auch immer vom Schloss Laufen. Fällt mir erst jetzt wieder ein.

      • Karin says

        Ich war ja im schloss laufen im klassenlager. Komisch – hab keine so lukullischen genüsse in erinnerung 😁

  10. Monika Aeschlimann says

    Toller Bericht … wundervolle Bilder! Bestimmt (k)ein Rheinfall und allemal einen Ausflug wert. Sehr schön, oder um es mit einem Adjektiv Fatimas zu beschreiben … allerwundervollst.😊

    • Fatima says

      Haha. Monika, ich bin ganz deiner Meinung. Der Beitrag ist in der Tat allerwundervollst. Es gibt kein besseres Wort dafür, oder? :-)))

  11. Ursula Walser-Biffiger says

    Bin ergischt und lustvoll erfrischt.

  12. Asiram says

    Macht wirklich Lust dieser Bericht, wieder einmal an den Rhein zu gehen. Ist sicher schon bald ein halbes Jahrhundert her als ich dort war. Entsinne mich an meine jungen Jahre, als mir alles bieder, klein und eng vorkam in der Heimat. Schliesslich schipperte man an den Niagarafällen entlang . Tja und mit den Jahren findet man Switzland so was von cool!

    • Karin says

      Hallo Asiram, als Kind findet man den Rheinfall riesig, als jungen Erwachsenen winzig und als Rentner hat man die Realität im Griff 😉

  13. Wolfgang Münst says

    Wir machten die Rheinfalltour immer wieder mit Gästen aus Norddeutschland, diese sehen und staunen. Für uns selbst sind wir im vergangenen Jahr mit den Rädern bei einer Bodenseeumrundung bis zum Endpunkt den Rheinfall gefahren, denn am Rheinfall endet für mich der Bodensee definitiv ;-).

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