Donnerstags bis dienstags, Februar

Stadtwanderung

In Winterthur ist es kalt. Eiskalt. Trotzdem mache ich mich auf zu einer kleinen Stadtwanderung. Mein Ziel: die stillgelegte Lokifabrik. Ich starte in Hegi.

Eulachpark und »Giesserei«. An dieser Stelle stand früher die Giessereihalle der Sulzer. Das Gebäude wurde 2006 abgebrochen. Die neue »Giesserei« ist eine Wohngenossenschaft mit Bibliothek, Veloladen, Galerie und vieles mehr. Das Restaurant »Ida« bietet ganz neu Events am Samstag an. Vorbeischauen lohnt sich.

Die Eulach. Darin spiegelt sich die Sonne! Unglaublich aber wahr, nach so vielen Nebeltagen endlich wieder etwas Sonne. Der Frühling kann nicht mehr weit sein.

Brücke! Mir scheint, in Winterthur habe es so viele Bahnschienen wie sonst nirgends. Hier stehe ich auf der Brücke an der Römerstrasse. Die Bushaltestelle heisst »Brücke«. Dies, obwohl Winti durchaus noch schönere oder grössere Brücken hätte, die eine so genannte Haltestelle eher verdient hätten.
Übrigens, fährt ein Lastwagen darüber, schwingt die Brücke merklich mit.

Bald nach der Brücke kommt die Seidenstrasse. Ich laufe gerne hier entlang, an den schönen Häusern vorbei.

In Winti wird viel geheiratet. Sozusagen immer, wenn ich am Museum Lindengut (1787) vorbei laufe (heute nicht). Die Villa hat ein Trauzimmer mit Zivilstandsbeamten und allem Pipapo. Auf dem Dach dieses Hauses wurde anno dazumal der erste Blitzableiter der Schweiz installiert.

Der Lindengutpark ist auch bekannt als Vögelipark. Hier mit Vogelvolière und Orangerie. Die Orangerie (Gewächshaus) war früher zum Überwintern von exotischen Pflanzen gedacht.

Und wer Villa, Park, Volière und Orangerie besass, der hatte natürlich auch eine Kutsche. Das hier ist das ehemalige Kutscher- und Gärtnerhaus.

Einmal über die Strasse und schon habe ich die Winterthurer Altstadt erreicht.
Die Bad- und Waschanstalt Winterthur (1864 bis 1915) war das erste – und 44 Jahre lang das einzige – Hallenbad der Schweiz. Darin wurde nicht etwa geschwommen. Das Bad diente der Körperpflege, da Badezimmer in den Häusern eine Seltenheit waren.

Der Eingang der »Badewannenmoschee«. Das Gebäude wurde 1975 beinahe abgerissen, was ausgesprochen schade gewesen wäre. Zum Glück wehrten sich die Winterthurerinnen und Winterthurer. Das Haus durfte bleiben. Heute ist die Polizeiwache darin eingemietet.

Gleich vis-à-vis habe ich diesen Brunnen entdeckt. Es ist ziemlich niedrig.

Ein paar Schritte weiter und schon sind wir im »Graben«. Das neue Kunstwerk heisst »Plaza«. Das Vorgänger-Kunstwerk war »Holidi«. Der Riese aus Holz, ruht nun auf dem Friedhof Rosenberg. Bis sein allerletztes Stündli schlägt.

Eine Gasse weiter finden wir die Stadtbibliothek. Einer meiner Lieblingsorte in Winterthur. Seit 2003 am Kirchplatz. Die Stadtbibliothek Winterthur war die erste elektronisch gesteuerte Bibliothek Europas. Das Gebäude ist allerwundervollst und einen Besuch wert.

Reformierte Stadtkirche (Bau: 1244 – 1538). Jede Kirche hat einen Turm. Auch die Stadtkirche am Kirchplatz. Schon längst einmal würde ich gerne hinaufsteigen. Leider geht das nur mit Führung und diese Führung (mittwochs und donnerstags) kostet 75 Franken. Um die Kosten aufteilen zu können, wäre eine mittwochs-Expedition eine gute Sache. Ich fasse das mal ins Auge.

Ein paar Minuten später bin ich wieder in den Gassen.

Und am Hauptbahnhof. Ja, auch der Winterthurer Bahnhof wird Hauptbahnhof genannt. Früher, mehr Zürcherin als Winterthurerin, verwirrte mich diese Bezeichnung. Wahrscheinlich dachte ich, der einzige Hauptbahnhof (des Universums?) müsse wohl derjenige in Zürich sein.

Nach der Unterführung steche ich nach links in das Sulzerareal. Hier wird gebaut.

Und dann erreiche ich mein Ziel, die stillgelegte Lokifabrik. Doch ob das Gebäude wirklich die Fabrik ist oder nur ein Nebengebäude, erschliesst sich mir nicht ganz. Wozu wohl die vielen kleinen Dächer gedacht waren?

Nach meiner kleinen Stadtwanderung bin ich total durchfroren. An der Sonne ist die Temperatur erträglich, aber am Schatten lässt einem die eisige Bise das Blut in den Adern gefrieren. Also, nichts wie los, an die Wärme!

8 Comments

  1. Franziska Hidber says

    Also dass auch Winterthur eine Orangerie hat, erstaunt mich. Und es gibt Pioniergeist in dieser Stadt, mehr als gedacht. Tolle Infos, tolle Fotos. Ich werde in Zukunft weniger über den Wintinebel herziehen, versprochen.

    • Fatima says

      Dankeschön. Heute wäre es ja um einiges wärmer gewesen. Sozusagen frühlingshaft!

  2. Markus Schmid says

    Das Gebäude auf dem ersten Bild ist wirklich sehr schön, ein Backsteinbau mit Verzierungen. Da wirkt die Ueberwachungskamera schon etwas fremd.

    • Fatima says

      Ja, etwas fremd schon. Aber nicht unbedingt unästhetisch.

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