Ausflüge, Dezember, Diese Woche

Tram Nr. 8

Vom Chreis Cheib zum Zürcher Paradeplatz. In nur sechs Minuten.

Die Gegensätze könnten nicht grösser sein. Und das auf kleinstem Raum.
Mein heutiger Ausflug, an einem Sonntag im Dezember, ist eine Tramfahrt. Mit Tram Nummer 8 gondle ich vom Hardplatz bis zum Bahnhof Stadelhofen. Zwischendurch steige ich aus, dann steige ich wieder ein.
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Zürich Hardplatz – Güterbahnhof – Bäckeranlage 

In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Hardbrücke – mit der S12 von Winterthur aus direkt zu erreichen – liegt der Hardplatz. Der Stadtteil Hard ist ein Quartier im Zürcher Kreis 4. Das Wort Hard bedeutet bewaldeter Hang oder Bergwald.

Ein Wald ist jedoch weit und breit nicht mehr zu sehen. Stattdessen finden sich hier Künstlerateliers, trendige Läden, mehrspurige Strassen, mit Graffitis beschmückte Fassaden und Hochhäuser. Auf dem Bild unten: der Prime Tower. In den oberen zwei Stockwerken des Gebäudes befinden sich eine Bar und ein Restaurant. Bis zum Jahr 2015 war der Prime Tower das höchste Hochhaus der Schweiz (126 m, 36 Stockwerke). Im Jahr 2015 wurde er vom Basler Roche-Turm (178 m, 41 Stockwerke) in den Schatten gestellt.

Alte Häuser, die etwas leiden. Die Lage ist lärmig, die Verzierung so lala.

Bitte einsteigen! Tramfahrt von Zürich Hartplatz bis Zürich Güterbahnhof

Der Chreis Cheib

Die Langstrasse schlafe nie, habe ich hören sagen. Doch heute, an einem Sonntag, wirkt sie ziemlich verpennt. Und dreckig. Ich frage mich, ob die Strassen-Putzmaschinen der Stadt dieses Quartier meiden. In einer Ecke entdecke ich ein versifftes Sexkino. Nicht verwunderlich. Wir sind hier in Zürichs Rotlichtmilieu.

Die Bar Papito hat um diese Zeit geschlossen. Der Name gefällt mir. Doch was Papito (Südamerikanisch) genau ausdrückt, ist mir schon länger ein Rätsel. Alle Väter, Männer, Liebhaber können so genannt werden. Und auch Kinder.

Zum Helvetiaplatz

Im Bild unten ist das Volkshaus Zürich zu sehen. Hinter der Gründung des Hauses standen unter anderem Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei. Hier ist (oder war) das linke Zürich zuhause.

Denkmal der Arbeit auf dem Helvetiaplatz vor dem Volkshaus

Bitte einsteigen! Vom Helvetiaplatz bis Zürich Stauffacher

Bahnhof Selnau

Der Bahnhof Selnau liegt unter der Sihl, im SZU-Tunnel. Auf dem Weg zum Üetliberg, zum Beispiel, fahren wir hier vorbei.

Die Stauffacher-Brücke mit den schönen Löwen (gleich beim Bahnhof Selnau), hat etwas Europäisches. Genausogut könnte sie in Madrid stehen oder in Rom. Am anderen Ende der Brücke befindet sich die Zürcher Börse. Hier beginnt Zürichs Finanzmeile.

Bitte einsteigen! Von der Stockerstrasse bis Zürich Paradeplatz

Im 17. Jahrhundert hiess der Paradeplatz Säumärt, dann Neumarkt und ab 1869 Paradeplatz. Parade, weil sich Zeughaus und Munitionslager in unmittelbarer Nähe befanden. Wer schon Monopoly gespielt hat, weiss, dass »Zürich Paradeplatz« die teuerste Lage der Stadt Zürich ist. Domizil der Grossbanken. Ob sich unter dem Platz tatsächlich ein Goldschatz befindet?

 

Einsteigen bitte! Von der Börsenstrasse bis Zürich Bürkliplatz

Der Bürkliplatz (nach dem Stadtingenieur Arnold Bürkli benannt) ist gut besucht.
Niemand scheint sich daran zu stören, dass ununterbrochen Autos, Busse oder Trams vorbeifahren.
 

Sogar der Samichlaus mit seinem Märchentram ist in Zürichs Verkehrs-Nadelöhr unterwegs.

Etwas später parkiert er sein Tram am Bellevue. Gleich beim Weihnachtsmarkt am Sächsilüteplatz. Der Sechseläutenplatz war früher eine Wiese (die Sechseläutewiese) und auch ein  Theaterplatz. Noch viel früher lag das Areal vorwiegend unter Wasser.

Statue des Opernhauses. Von hinten. Mit Blick auf den Sechseläuteplatz.

Gleich nebenan: der Stadelhoferplatz beim Bahnhof Stadelhofen.

Stadelhofen! Diese Bahnstation ist ein Schmuckstück. Das alte und sehr schöne Gebäude steht immer noch. Es wurde in die neue Perronüberdachung aus Stahl und Beton integriert. Offenbar waren dem Stararchitekten Santiago Calatrava die Rippen eines Stiers Vorbild für das Gerippe des Bahnhofs.

Und nun sind wir am Ende unserer Tour. Die Uhr zeigt 15 Uhr, es ist (noch) kühler geworden. Ich habe klamme Finger. Zeit, in die S-Bahn zu steigen, und nach Winterthur zu tuckern. Die Fahrt mit Tram Nr. 8 hat Spass gemacht.

Danke, dass du mitgefahren bist.

Und welcher ist dein Lieblingsort in Zürich?
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12 Comments

  1. Schöner Bericht mit schönen Fotos. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in Zürich. Das Wetter hat super mitgespielt. Einer meiner Lieblingsorte sind der Hönggerberg und der Bürkliplatz.

  2. Karin Aeschlimann says

    Sehr coole Fahrt und schöne Idee! Die Fotos sind auch toll (die Oly kitzelt dein Foto-Auge!) Da es noch ein paar weitere Tramlinien gibt, sind weitere söttig Mittwochs.ch-Beiträge gesetzt. Melde mich freiwillig 🙂

  3. @hcdole says

    Einfach nur toll … und weckt Erinnerungen an die “alte” Zeit, als es für mich in Zürich noch lebenswerter war 🙂

  4. Werner Heiz says

    Du hast eine kleine Reise mit mir in die Vergangenheit gemacht. Habe lange in Zürich gewohnt, danke sehr für die Nostalgieschübe.

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