Ausflüge, Diese Woche

Très Grande Dixence

Die Staumauer Grande Dixence zuhinterst im Val d’Hérémence im Wallis ist ein Wahnsinnsteil. Ein Gewaltsbrocken, schwindelerregende 285 Meter hoch. Unfassbar, eigentlich.

Sechs Millionen Kubikmeter Beton wurden hier verbaut: Damit könnte man eine 1.50 Meter hohe, 10 Zentimeter breite Mauer erstellen, die den Äquator umspannt. Es ist eine abartige Menge an Material, und so ist La Grande Dixence auch die höchste Gewichtsstaumauer der Welt, was bedeutet, dass sie dem Wasserdruck allein durch ihr Gewicht standhält. Bogenstaumauern hingegen leiten den Druck auf die Seite ab, wo sie im Fels verankert sind.

Dieses Wunderding wollte ich schon lange einmal anschauen und wenn möglich auch begehen, denn es gibt zweisprachige Führungen im Inneren. Vor Betreten der Mauer durch eine ovale Öffnung werden dicke Jacken verteilt; in den Stollen und Gängen – total über 30 Kilometer lang! – ist es ganzjährig sechs Grad kalt. Und es hallt, tröpfelt und ist klamm. Weil dem Fels entlang gebaut wurde, sind die Treppenstufen teilweise 70 cm hoch, man ertastet die Tritte im schwachen Licht mit Vorsicht. Wer wenig Fantasie hat, ist hier im Vorteil. Manchmal realisiere ich kurz, dass eine unvorstellbare Menge an Gletscherwasser (total 400 Millionen Kubikmeter, von 35 verschiedenen Gletschern kommend) gegen das Bauwerk drückt, in dem ich mich befinde – aber irgendwie bleibt La Très Grande Dixence sogar dann unfassbar, wenn man sich in ihr bewegt, sie direkt unter den Füssen spürt.

Zum Schluss der Führung wird in einer grösseren Nische ein Schwarzweiss-Film gezeigt, der 1954 von Jean-Luc Godard gedreht wurde – sein erstes Werk. Man sieht Betonkübel in die Höhe schweben, Gesteinsbrocken auf Fliessbändern, Arbeiter mit Stollenschuhen, eine Barackensiedlung am Berg. Nach gut einer Stunde ist man wieder draussen, durchaus ein bisschen erleichtert, den Himmel zu sehen. Allerdings, wenn die Mauer bricht, hätte man sowohl darin als auch darunter très schlechte Karten…

Kaffee trinken, eine mit Käse überbackene Rösti oder Kuchen essen kann man dann vor dem riesigen Hotel „Le Ritz“, das den Ingenieuren und Fachleuten während der Bauzeit von 1951 bis 1965 als Unterkunft diente. Anschliessend geht es mit einer kleinen Seilbahn auf die Mauerkrone, die so breit ist wie eine Autobahn.

Von hier aus führen verschiedene Wanderwege dem Lac de Dix, also dem Stausee, entlang, aber es ist auch schon cool, einfach runterzuschauen ins Tal und auf das riesige Hotel, das jetzt winzig aussieht.

Bei der Abwärtsfahrt mit der Seilbahn gerät auf der rechten Seite nochmals die kleine Kapelle ins Blickfeld, die bereits 1931 erbaut wurde, während der Arbeiten an der viel kleineren ersten Grande-Dixence-Staumauer.

An einem Schild an der Kapelle steht: „Zum Gedenken an all die Pioniere, die zur Durchführung dieses wahrechten Abenteuers beigetragen haben.“ – Schön gesagt!

  • Die grösste Staumauer der Welt ist mit dem Postauto von Sitten aus erreichbar. Die Endhaltestelle heisst Le Chargeur. Reichlich PP für Autos sind ebenfalls vorhanden.
  • Im Infopavillon kann man die Tickets für die Führung und für die Seilbahnfahrt auf die Mauerkrone kaufen; man kann auch zu Fuss aufsteigen.
  •  Führungen in der Mauer: 11.30, 13.30, 15.00 und 16.30 Uhr, Dauer: ca. 1,5 Stunden.
  •  Verpflegung: Im Hotel „Ritz“ und Kiosk auf der Mauerkrone.
  • www.grande-dixence.ch

13 Comments

  1. Fatima says

    Très eindrücklich, liebe Karin. Und auch ich war froh, als der Himmel wieder zu sehen war.

      • Fatima says

        Nicht immer. Beim Gedanke an die 400 Millionen Kubikmeter Gletscherwasser, die gegen das Beton drücken, hab ich jedoch kurz gelitten. 😉

  2. Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit) says

    Die Grande Dixence ist irrsinnig beeindruckend und es lohnt sich definitiv, dafür einen Umweg zu fahren.

    • Karin says

      Ja, ich hatte die Staumauer schon ewigs auf meiner To-See-Liste, bloss, ins Wallis kommt man vom Zürichsee aus ja nicht eben so mal zufällig…

  3. Franziska says

    Es hat einige Zeit gedauert, bis ich den Mund wieder zuklappen konnte. Boah! Sehr beeindruckend und très bien eingefangen mit der Kamera, alors!

    • Karin says

      Nume iPhone… meine „Grosse“ ist in Reparatur und die Mittlere hatte ich zwar dabei, allerdings ohne Batterie (ächz!)

  4. Indra says

    Magnifique et très très chic, Karin, in Wort und Bild! Da will ich doch auch schon so lange hin – und jetzt erst recht!

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