Diese Woche, Wandern

Äschermittwoch

Vor knapp zwei Jahren auf dem Cover von National Geographic, jetzt für mittwochs.ch getestet: Äscher und Wildkirchli im Alpstein.

Seitdem das Gasthaus Äscher auf dem Cover des Buches „Places of a Lifetime“ von National Geographic war, ist es weltberühmt und steht auf der To-do-Liste jedes Amerikaners und jeder Japanerin. Alles dazu, inklusive Interview mit dem Fotografen des Titelbildes, der eigentlich Gynäkologe ist, gibt es hier nachzulesen: http://watson.ch

An einem nicht ganz so sonnigen Freitag im Juni haben wir beschlossen, uns das mal anzuschauen, verbunden mit einer kleinen Wanderung und einem Mittagessen und very, very low expectations. Ich erwartete viele Touristen und ein leises Gefühl der Enttäuschung.
Tja – wir wurden überrascht! Angenehm!

Los ging’s mit einer idyllischen Autofahrt nach Wasserauen (AI). Erreichbar auch mit dem öV, genauer mit den Appenzellerbahnen via Gossau oder S. Gallen. Dort: Umsteigen in die Luftseilbahn zur Ebenalp. Sie überwindet in sechs Minuten rund 800 Höhenmeter, und das macht also schonmal ordentlich Eindruck; die ganze Gondel schrie „uuuh“ und „jukk!“, als wir über die zwei Masten ganz zuoberst schaukelten. Reizend: Die Tickets werden noch von einem Angestellten *mit einer Löchlizange!!* geknipst! Trotz des aufgedruckten Barcodes.
  

Oben angekommen, machten wir den besten Schachzug des Tages: Statt uns mit allen anderen Touristen nach Verlassen der Gondel schnurstracks nach rechts zu wenden, Richtung Wildkirchli und Gasthaus Äscher, gingen wir leicht schräg nach links und aufwärts und wählten aus dem sehr umfangreichen Wandermenu aufs Geratewohl „Schäfler“ mit dem verheissungsvollen Messer-und-Gabel-Zeichen.

Das Haus rechts oben im Foto ist das Ziel.

Was soll ich sagen – es war perfekt. Auf leicht ansteigendem Weg ging es dem Himmel entgegen, und wir waren sowas von allein mit Blumen, Vögeln, Aussicht und würziger Alpenluft und einem einzigartigen, wildromantischen Panorama.

Die einzige Menschenseele ausser uns, ein Bauer bei der Arbeit.

Blick zurück auf den Hof des fleissigen Bauern (der war aber schon weitergezogen).

Von den Blümchen am Wegesrand ganz zu schweigen.
 

Fast da…!

Auf dem Schäfler kurzes Zögern… hier ginge es auch weiter Richtung Säntis… aber nein, wir betraten die gemütliche Gaststube. Und bestellten Rösti mit Speck sowie Gerstensuppe mit Wienerli. Beides mundete vorzüglich.

Man könnte auch draussen essen. Ist aber etwas zu kalt gerade.

Die Aussicht geniessen geht trotzdem.

Wenn das keine 1A klassische Bergbeiz ist…

Der zweitbeste Schachzug des Tages war es dann, auf dem Rückweg nach etwa zwanzig Minuten den Abzweiger „Äscher“ zu wählen (also nicht via Ebenalp). Der Weg unterhalb der senkrechten Felsen ist traumhaft schön; kleine Kinder würde ich dennoch mit einem Seil sichern, weil es teils etwas gäch abwärts geht. Unten rechts grüsst der Seealpsee. Weiterhin: Kaum Publikum.


Bis… nach knapp 50 Minuten… Spuren der Zivilisation! Wir nähern uns dem berühmten und ersehnten Äscher von hinten.

Von vorne sah es dann so aus. Und auch wenn die geschätzte Mitautorin Franziska Hidber den Äscher nach vielen einst erfreulichen Besuchen heute eher meidet, weil es halt wirklich nicht mehr dasselbe ist seit diesem Auftritt auf dem Cover des National Geographic Buches – für uns Anfänger war alles okay. Friedliche Stimmung, vielsprachiges Geschnatter und gut aufgelegtes Servierpersonal aus der Gegend (teils sind die Appenzeller allerdings etwas schwierig zu verstehen, zumindest vom durchschnittlichen Zürcher) . Vom grosszügig mit Alpenbitter aufgewerteten und mit süssem Rahm verzierten Kafi ganz zu schweigen…
 

Klar, die Selfiesticks waren nicht zu übersehen, und ich lernte eine neue Dimension der Selbstbespiegelung kennen: Man montiert das Handy fix auf dem Stick, drückt „Video“ und filmt sich von hinten, wie man Hand in Hand mit der Liebsten auf die Sehenswürdigkeit zuschlendert…gaaanz ungezwungen, gell? 🙂

Nach dem Kaffee spazierten wir via Wildkirchli und Höhlenweg aufwärts zurück zur Bergstation Ebenalp. Dieser Teil des Weges ist sehr touristenfreundlich, nämlich betoniert.

Das Wildkirchli ist übrigens eine Höhle mit einer kleinen Kapelle daneben, und via eine Höhle, in der laut Infotafel diverse Bärenknochen aus uralten Zeiten gefunden wurden, geht es dann auch zur Ebenalp zurück.

Einen kleinen Tipp möchte ich noch anbringen: Wenn möglich nicht am Wochenende und nicht in den Schulferien anreisen. Und nicht bei strahlend schönem Wetter. Ich könnte mir vorstellen, dass es dann etwas ungemütlicher und voller ist als an einem halbschönen Freitag im Juni.

PS Franziska hat ebenfalls noch einen  Hinweis auf Lager: “Man kann auch relativ einfach zum Äscher wandern ab Wasserauen, zu einem grossen Teil im Wald. Ab Bahnhof Wasserauen oder Parkplatz, man kann auch einen Schlenker via Seealpsee machen. Der Äscher liegt direkt am Weg, dann weiter zur Ebenalp und mit der Bahn runter – oder eben noch zum Schäfler.”

15 Comments

  1. Brigitta says

    Ja, der Äscher ist ein besonderes Restaurant durch seine spezielle Lage. Der ganze Alpsteinraum ist eher klein und doch gibt es viele besondere Wege zu gehen und Ziele zu erwandern. Vorsicht ist auch hier immer geboten, denn die richtige Ausrüstung und Vorbereitung ist lebensrettend. Es ist ein wunderschönes und abwechslungsreiches Gebiet, sehr aussichtsreich und niemals gefahrenlos. Wer sich Zeit nimmt erlebt ein Gefühl der Unwichtigkeit der eigenen Person anlässlich dieser Schönheit und Erhabenheit der Natur und etwas Bescheidenheit tut gut. Danke, ein schöner Bericht.

  2. Maria Gollini says

    Ja, den Aescher kenn ich sehr gut sogar. Gehe sicher 1mal im Monat, wenn’s Wetter erlaubt, auf den Schäfler und anschliessend ins Wildkirchli. Eine feine Röschti im Wildkirchli ist ein Must!!!!!!!!!!!!

  3. Willi Näf says

    Gute Routenwahl. Anmerkung: Von Wasserauen via Seealpsee zu Fuss rauf – das zieht sich. Tipp: Vom Schäfler aus weiter auf den Säntis. Eine der schönsten Routen im Alpstein. Ab Schäfler 3-4h, ab Bergstation Ebenalp 4-5h.

  4. Claudia says

    Der Aescher ist ein tolles Lokal. Interessant wäre es dort bei schönem Wetter dort zu übernachten, morgens das Fenster weit öffnen und in die herrliche Bergwelt hinausschauen. Schon lange ein Wunsch von mir…

  5. Fatima says

    Applaus, liebe Karin. Mein Lieblingsbild unter lauter Lieblingsbilder ist das wuchtige Bild »Blick zurück auf den Hof des fleissigen Bauern«. Sehr willkommen ist die Selfie-Stick-Weiterbildung.
    Die Rösti sieht knusprig aus, doch … woraus bestehen die Kügelchen, die in der Suppe schwimmen?

    • Karin says

      Oh, Fatima – die Kügelchen! Also das eine ist die Gerste von der Gerstensuppe, und das andere sind die Rugeli vom Wienerli. Was hast du gemeint?

      • Fatima says

        Liebe Karin, jetzt hatte mein Gehirn (wir sehen mit dem Gehirn und nicht mit den Augen) … die ganze Zeit Kügelchen erwartet und gesehen und nicht die Rugelchen. Es fragte sich, ob das wohl Fleischkügelchen seien – danach sieht es nicht wirklich aus – oder Knusperkügelchen. Dafür wären sie aber zu gross gewesen. Das Rätsel ist gelüftet, neue Synapsen mit Wurst-in-Suppe-Content wurden gebildet und ich werde wohl nie wieder ein Rädchen mit einem Kügelchen verwechseln.

  6. Franziska says

    Feine, feine Bilder, liebe Karin – sie haben diesen Alpsteingroove! Und nach deinem Erfolg werde auch ich es wieder einmal wagen, den Aescher aufzusuchen. Hoffentlich auch an so einem idealen Tag:-) (Das Wirtepaar hat das Übernachtungsangebot kürzlich eingestellt, um mal etwas Ruhe zu haben. Kann ich verstehen.

  7. Ursula Alayan says

    Der Aescher sieht zwar wirklich spektakulär aus, aber die Alp ein wenig weiter unter Richtung Wasserauen (Alp Bommen) hat meiner Meinung nach den besten Alpkäse, den man kaufen kann..

    • Marietta Lebdowicz says

      Stimmt, und ist viel ruhiger als im Aescher!

  8. Kurt Ruedisueli says

    …vor vielen vielen Jahren, als Pfadi auf dem Marsch ins Sommerlager, von Wattwil über den Säntis ins Appenzellerland… bis heute sind die Bilder noch vor meinen Augen…

    • Karin says

      manche dinge ändern sich doch nicht so schnell…

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